Wer in der scientific Community etwas gelten will, muß dafür sorgen, häufig zitiert zu werden. Wissenschaftlern, deren Arbeiten dazu nicht attraktiv genug sind, winkt jetzt Hilfe: Ein ungewöhnlicher Kettenbrief rauscht durch das akademische Electronic-Mail-Netz. Sein Empfänger soll in seinem nächsten wissenschaftlichen Artikel zusätzlich drei Arbeiten, die im Brief benannt sind, als Quellen angeben. Dann soll der Empfänger die erste dieser Arbeiten (zur Zeit ist das "Miller, J.: Postmodern neo-cubism and the wave theory of light. Journal of Cognitive Artifacts, 1982, vol. 8, pp 113-117") von der Liste streichen und seine eigene Veröffentlichung unten anfügen. Schließlich muß er nur noch den Brief kopieren, an zehn Kollegen weiterschicken und auf den Ruhm warten, der sich unweigerlich nach wenigen Monaten einstellen wird.

"Binnen eines Jahres werden Sie bis zu zehntausendmal zitiert worden sein", verspricht der Kettenbrief. "Das wird Ihre Fakultät verblüffen, Ihre Beförderung sichern und Ihr Sexualleben ankurbeln. Überdies bereiten Sie vielen Kollegen Freude." Die Idee, sich mit einem Kettenbrief wissenschaftliche Reputation zu erwerben, ist genial. Doch warum beschränkt sich der Urheber des Briefes, Patrick Crispen von der Universität Alabama, auf citations? Die Anzahl der eigenen Veröffentlichungen ist für eine Karriere doch viel wichtiger. Wenn schon Kettenbrief, dann gleich einer, der dazu anstiftet, drei Forscher als Ko-Autoren zu nennen. Wer 10 000 Publikationen in einem Jahr vorweisen kann, wird sich vor Berufungen auf renommierte Lehrstühle sicherlich kaum retten können.

Vielleicht kommt der findige Crispen ja noch von selbst auf diese Idee. Übrigens: Seinen Kettenbrief finden Sie per E-Mail unter HUMOR@uga.cc.uga.edu. Wolfgang Blum