Ich hatte Glück. Der Mann, der da in Ostberlin am Straßenrand verbiestert in die Gegend starrte, schien haargenau meiner Vorstellung von einem Ossi zu entsprechen, der noch immer nicht von den Segnungen von Demokratie und Marktwirtschaft begeistert ist, und den ich darum zu unseren westlichen Werten bekehren mußte. – Ich knüpfte erst mal ein unverfängliches Gespräch an und kam dann zur Sache: "Haben Sie denn nach all den Jahren der Knechtschaft noch immer keinen Geschmack an der neuen Freiheit gefunden?"

"Freiheit, was ist das?"

"Freiheit ist, wenn man alles tun und lassen kann, was man will."

"Ich will aber keine Ausländerheime anzünden und Afrikaner verprügeln."

"Bedauerliche Randerscheinungen, die man nicht verallgemeinern sollte. – Freiheit ist, wenn Sie am 12. Juni Ihre Partei ins Europaparlament wählen können."

"Sinnlos. Meine winzige Partei hat keine Spur einer Chance."

"Wenn Sie jede Zeitung lesen dürfen."