Immer wenn Bundeskanzler Kohl von der Trocken- Semmel Diät am Wolfgangsee nach Bonn zurückkommt, stellt er im Kabinett seine Gewichtsreduzierung als "Sparen an sich" vor. Er spart in diesem Jahr auch das Kanzleffest ein, und von den Bundesministerinnen fordert er, ebenfalls besondere Sparleistungen zu erbringen. Um diesem Appell noch Nachdruck zu verleihen, stiftete Bundesfinanzminister Waigel den "Goldenen Kohlkopf" als kleine, aber kostbare Trophäe für die originellste Sparleistung.

Der Bonner Agent "Deep, Deep Throat" (DDT) der Europäischen Managementund Marketing Agentur (EMMA) hat der Zentrale zum Stand des Wettkampfes um den Goldenen Kohlkopf folgendes berichtet: Bundesgesundheitsminister Seehofer galt als sicherer Sieger, weil er mit seiner Gesundheitsreform bei den Patienten so viel eingespart hat, daß es den Krankenkassen jetzt echt gut geht. Aber seine erste Reform war schon vor Waigels Stiftung gelaufen, und die zweite Gesundschrumpfung der Kassen kommt erst 1995.

Nächster Favorit war Bundesverteidigungsminister Ruhe: aufgrund seiner konsequenten Bemühungen, im Manöver nicht nur Munition durch "Peng" Rufe zu ersetzen, sondern die Bundeswehr insgesamt weitgehend einzusparen. Seine Planungen wurden von Bundesaußenminister Kinkel durchkreuzt. Dieser hat mit dem traditionell niedrigen Etat des Auswärtigen Amtes kaum eigene Einsparmöglichkeiten (die Schließung von Auslandsvertretungen findet niemand originell), so daß er sich im Rennen um den Goldenen Kohlkopf darauf verlegen muß, Mitbewerber abzublocken.

Völlig überraschend gilt jetzt Bundesverkehrsminister Wissmann als Favorit. Der öffentliche Streit um eine Autobahngebühr hat davon abgelenkt, daß Wissmann diese Gebühr auf der Basis verschmälerter Autobahnen erheben will. Das ist Wissmanns Doppeleffekt: weniger Angebot, mehr Abgaben!

Und er liegt voll im Trend:

Nach Lean production und Lean management der LeanEinsparungen von rund drei Milliarden Mark. Wie? Wissmann läßt die zweite und dritte Fahrspur bei dreispurigen Autobahnen ab sofort 25 Zentimeter schmaler anlegen.

Nur bei der rechten Fahrspur, vor allem der "Brummis" wegen, soll es bei 3 75 Meter bleiben. Der Mittelstreifen wird um einen halben Meter auf 3 50 Meter verschmälert, der Randstreifen um 25 Zentimeter, die gesamte sechsspurige Anlage um zwei auf 35 5 Meter. Eine echte Sparmaßnahme! Wissmann hat an den Autobahnen Maß genommen, sie für zu breit befunden und für die Gesamtheit der Autofahrer ein Stück Verzicht gewagt. Kein Opfer ist dem zu groß, der es nicht selber bringen muß. Ob Wissmanns Vorgänger im Verkehrsministerium nun wegen Verschleuderung von Staatsvermögen zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie die Autobahnen zu breit angelegt haben?