Von Peter Jobst

Neue Kreationen stehen bei den Vertriebschefs der Investmentbranche hoch im Kurs: Deutsche Anleger, des Festgelds und Sparkassenbriefs längst müde geworden, nehmen neue Investmentprodukte nur allzugern ins Depot – und das ungeachtet aller Kosten und der möglichen Risiken. Pep in die Geldanlage sollen jetzt sogenannte Future-Fonds bringen. Sie versprechen dem Investoren hohe Profite bei überschaubarem Risiko und werden gerne als "Ferraris der Geldanlage" verkauft.

Die Idee der Future-Fonds ist allerdings keineswegs neu. In den Vereinigten Staaten kennt man diese Anlagemöglichkeit bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Richtig populär wurde sie jedoch erst in den achtziger Jahren, als Harvard-Professor John Lintner in einer vieldiskutierten Studie nachwies, daß mit der Beimischung von Future-Fonds die Performance eines gut bestückten Renten- und Aktienportefeuilles nachhaltig verbessert werden kann. Heute sind in den knapp 500 weltweit angebotenen Future-Fonds rund fünfzig Milliarden Mark geparkt, zweistellige Zuwachsraten sind an der Tagesordnung.

Das Konzept der Future-Fonds ist einfach: Während ein klassischer Investmentfonds sein Vermögen in Aktien, Renten oder auch Immobilien anlegt, setzen die Manager der Future-Fonds auf den Terminmarkt. Wichtigstes Anlagemedium sind dabei – der Name der Fondskategorie sagt es bereits – Future-Kontrakte. Und hier läßt sich schnell Geld verdienen – aber auch verlieren.

Rechnet ein Anleger beispielsweise mit einem steigenden Dax, kann er an der Deutschen Terminbörse (DTB) einen Dax-Kontrakt kaufen und ihn – wenn der Kursanstieg eingetreten ist – zu einem späteren Zeitpunkt wieder verkaufen. Der Clou: Er braucht nicht den gesamten Wert eines Kontrakts von zum Beispiel 220 000 Mark auf den Banktresen zu blättern, vielmehr genügt bei Terminkontrakten eine Sicherheitsleistung von meist zehn bis fünfzehn Prozent – im Branchenjargon auch als "Einschuß" bezeichnet.

Das Spiel rechnet sich also über die Hebelwirkung des geringen Kapitaleinsatzes. Steigt der Dax nur um zehn Prozent, hat der Anleger bei zehn Prozent Einschuß seinen Kapitaleinsatz glatt verdoppelt. Brenzlig wird es, wenn der Dax zur Talfahrt ansetzt: Verkauft er den Kontrakt nicht schnellstens wieder, ist sein Einschuß bereits nach zehn Prozent Dax-Rückgang aufgezehrt. Jeder weitere Rückgang löst zudem eine Nachschußverpflichtung aus.

Terminkontrakte sind also nichts für Anleger mit schwachen Nerven, vielmehr erfordern sie eine laufende Beobachtung und schnelles Handeln. Eine Ausnahme gilt allenfalls, wenn sie zur Absicherung eines bestehenden Portefeuilles gedacht ist: Fürchtet ein Anleger Kursverluste bei seinem Rentendepot infolge steigender Zinsen, kann er einen Bond-Future verkaufen. Purzeln dann die Kurse von Anleihen und Pfandbriefen, verdient er bei optimaler Planung über den Kontrakt genausoviel, wie seine Rentenwerte verlieren.