Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn. Diese alte Rechtsweisheit sollte sich allmählich auch in Sachsen-Anhalt herumsprechen.

Erst Magdeburg, dann Halle: Schon wieder ließ die Polizei in diesem Bundesland rechtsextremistische Gewalttäter laufen. Ein Afrikaner wurde am Pfingstsonntag krankenhausreif geschlagen, eine Frau, die ihm helfen wollte, ebenfalls verletzt. Die Täter aber machten sich auf und davon – nach einem Gespräch mit den Beamten. "Taktisch sehr ungeschickt" habe sich der Einsatzleiter verhalten? Der Hinweis auf die überforderte Polizei in den neuen Bundesländern wird von Mal zu Mal fadenscheiniger. Da fehlt es eher an der rechtsstaatlich inspirierten Motivation und vor allem an der deutlichen politischen Führung. Was man als Polizist mit Gewalttätern zu tun hat, kann ja so unklar eigentlich nicht sein.

Und wie man mit rechtsextremistischen Pöbeleien umzugehen hat, kann der Westen nun vorexerzieren: Ausgerechnet Mitglieder des Bonner Wachbataillons, das Tag für Tag die ausländischen Staatsbesucher zu begrüßen hat, grölten nächtlings besoffen: "Ausländer raus". Ganz schön unverkrampft! R. L.