Von Claudia Steinberg

Stühle können Menschen foltern; krumme Rücken, spiralartig verwickelte Gliedmaßen, hochgezogene Schultern künden davon, wie schwer es ist, im Sitzen gute Figur zu machen. "Wenn man gut sitzt, sieht man gut aus", behauptet forsch Sherri Donghia. "In unseren Sesseln werden Leute zu eleganten Erscheinungen, sie gewinnen Ausstrahlung, weil sie bequem plaziert sind."

Die raffiniert-schlichten Donghia-Sessel machen Furore – vor allem in Belgien und Holland, aber auch auf der Kölner Möbelmesse. Einschlägige Magazine wie Architektur & Wohnen und Country Homes, sonst von europäischem Mißtrauen gegenüber Amerikas Möbel-Kultur geleitet, heben sie auf den Thron. Warum?

Die Designerin aus Pittsburgh scheint mit ihren Möbeln eine Verwandtschaft ersten Grades zu teilen – das gezügelte Temperament, die kontrollierte Verve, den erotischen Charme. Die kurvigen Figuren der Möbel laden ein zum engen Körperkontakt: Sie sind nicht knochig-anorektisch, sondern besitzen einen gewissen athletischen Charakter. Sie vermitteln Geborgenheit – und sie haben Humor: Die inzwischen berühmte "Verzauberte Sammlung" von "Geister"- und "Phantom"-Stühlen und -Sesseln ist eine entfernte Verwandte von unter Schonbezügen verborgenem Verandamobiliar.

Früher einmal hat Sherri Donghia Stoffe für die Modeindustrie entworfen. Seit zehn Jahren kleidet sie die Sofas und Fauteuils, die Stühle und Récamiers der Firma Donghia ein, die ihr inzwischen verstorbener Onkel Angelo 1968 in New York gründete. Hier, in dem Schauraum gegenüber von Bloomingdale’s – Sherri Donghia war auch einmal Accessoire-Einkäuferin für das berühmte Kaufhaus, und zwar als es sich noch um "den kreativsten Laden der Welt" handelte –, präsentieren sich die leichtfüßigen Sitz- und Liegemöbel in ihrer "Unterwäsche": So heißen die schlichten beigen Leinenbezüge bei Sherri Donghia und John Hutton, dem Designdirektor der Firma. Nur Innenarchitekten sind hier zugelassen, die eine passende Garderobe für Sessel und Couch aussuchen. Donghia selbst mag am liebsten grobes Leinen, und das ein wenig zerknittert oder "entspannt", wie sie es nennt.

Wie Sherri kam auch ihr Onkel, Firmengründer Angelo Donghia ursprünglich aus der Modebranche. Er war Herrenschneider – und verlegte sich erst dann auf maßgeschneidertes Mobiliar. "In der Mode passiert alles zuerst: Es gibt fünf Kollektionen pro Jahr, für jede Kollektion werden neue Stoffe entwickelt, sie bestimmen die Schnitte, das Design. Von den Modejournalen und den Schaufensterdekorationen lernen die Leute dann, wie sie Dinge kombinieren können. Inzwischen wissen sie, daß man Armani mit Levis-Jeans und Calvin Klein mit Gap vereinbaren kann. Das heißt, irgendwann wissen sie auch, daß sich eine Donghia-Chaiselongue mit Louis XIV. oder mit Art-déco-Möbeln verträgt", erklärt Sherri Donghia.

Ihre enge Verbindung zur Modewelt nutzte Donghia aus, indem sie sich vor zwei Jahren mit Romeo Gigli zusammentat und seine Stoffdesigns für Blusen und Jacketts auf ihre Möbelcouture abstimmte: Hauchdünne Seiden wurden in Lyon dichter und schwerer gewebt und mit anderen Fasern für die Inneneinrichtung verstärkt.