"Wenn Einsamkeit die Krankheit ist, dann sind Geschichten, dann ist Literatur die Heilung", sagt Ford "Der Frauenheld" lahmt, das "Verdammte Glück" ärgert. Heilung? Martin Austin muß erst noch darüber nachdenken, und Harry Quinn kommt schon zurecht, wenn er eine Knarre, einen Joint und einen guten Fick hat. Das sind keine Leute, die man mögen kann.

Der Ford Freundeskreis sehnt sich nach Jerry, Joe und Jeanette Brinson, deren Leben wir so überwältigend gleich im allerersten Absatz von "Wildlife" kennenlernten: "Im Herbst 1960, als ich sechzehn war und mein Vater eine Zeitlang nicht arbeitete, lernte meine Mutter einen Mann namens Warren Miller kennen und verliebte sich in ihn Oder in der Geschichte "Optimisten" aus "Rock Springs": "Alles, wovon ich jetzt erzähle, geschah, als ich erst fünfzehn Jahre alt war, 1959, in dem Jahr, als meine Eltern sich scheiden ließen, in dem Jahr, als mein Vater einen Mann umbrachte und dafür ins Gefängnis ging, dem Jahr, als ich mein Zuhause und die Schule verließ, ein falsches Alter angab, um die Armee zu täuschen, und dann nicht mehr zurückkam Was für Sätze, was für ein Tempo! Weder der "Frauenheld" noch "Verdammtes Glück" können da mithalten. Aber, denkt Martin Austin im "Frauenheld": "Selbst Realisten brauchen hin und wieder eine Pause " Ach ja, und die Übersetzung. Der Fischer Verlag hat mit seinen Ford Übersetzern mehr Glück als Rowohlt. Nachdem Wolfgang Determanns Übertragung von "Verdammtes Glück" als weitgehend unzureichend empfunden wurde, machte Hans Hermann jetzt den zweiten Versuch, der als gelungen, aber auch nicht überzeugend angesehen werden darf. Ein Beispiel: Original: "It all screwed termann: "Es lief alles darauf hinaus, daß man sich so weit entfernt wie nur möglich vorkam von allem, was einem am Herzen lag Übersetzung Hermann: "Letztlich lief immer alles darauf hinaus, daß du dich denkbar weit von allem entfernt fühltest, was dich gern hatte "

Das ist nicht unbedingt klarer. Hermann übersetzt weitschweifiger, seine Übersetzung ist um fast hundert Seiten länger als die in vielen Einzelformulierungen zwar sehr holperige, aber in der Knappheit des amerikanischen Slang gar nicht so abwegige Übersetzung von Determann. Die klarste Ford Sprache trifft gewiß der Fischer Übersetzer Martin Hielscher, der aber vor geschraubten Konjunktivsätzen auch nicht gefeit ist - "Das entsprach natürlich nicht dem, wie sie anfangs ihre Gefühle für ihren Mann erklärt hatte, als sie sagte, daß sie geglaubt habe, sie könne ihr gemeinsames Leben nach der Affäre wiederaufnehmen, nur, daß ihr Ehemann inzwischen ausgezogen war Und fünfmal das Wort "Intimität" für Sex in einem einzigen Absatz? All das zeigt, wie schwer es sein muß, den Erzähler Richard Ford ins Deutsche zu übertragen.

Roman; aus dem Amerikanischen von Hans Hermann; Rowohlt Verlag, Reinbek 1994; 288 S, 36 - DM