Ein wohliges Rekeln, ein zufriedenes Zurückfallen in die Kissen. Kein Wecker scheppert. Kein Radiogedudel gemahnt uns aufzustehen. Die Frage nach der Uhrzeit ist an diesen besonderen Tagen eher rhetorischer Natur – schließlich sind wir im Urlaub. Welch ein Genuß, endlich einmal auszuschlafen.

Doch plötzlich macht sich Panik breit. Wir fahren hoch: Schon 9.15 Uhr! Wir müssen zum Frühstück. Und dort herrscht, wir kennen es aus leidvoller Erfahrung, strenges Reglement im Hotel. Ultimativer Schluß: 10 Uhr. Wir, die wir es lieben, die erste Mahlzeit des Tages gemütlich einzunehmen und dabei aus dem vollen zu schöpfen, geraten unter Termindruck.

Nichts wie raus aus den Federn. Denn unsere ungezählten Mitbewerber, jene notorischen Frühaufsteher, die beim ersten Hahnenschrei bereits die dritte Joggingrunde hinter sich haben, sind längst angetreten zum Essenfassen. Sie wissen, was sich im ordentlichen Urlaubsleben gehört: pünktlich zur Stelle zu sein. Um den besten Zipfel Wurst zu erhaschen und den besten Platz zu okkupieren.

Die Zeit wird knapp. Im Eilschritt hasten wir ins Restaurant, um dann scheinbar ausgeruht und souverän einen Tisch anzusteuern. So als wüßten wir nicht, daß wir undisziplinierten Langschläfer den ganzen Betrieb aufhalten.

Kaffeeflecken von drei Vorfrühstückern zieren die Tischdecke. Am zuvor üppigen Buffet konstatieren wir sofort, daß sich die Mohnsemmeln schon verkrümelt haben. Auf uns warten lediglich noch ein paar verschmähte Schrippen. Die Marmeladengläser sind so bekleckert, daß wir jede Annäherung meiden, um nicht festzukleben. Der Schöpflöffel ist so tief in der Obstsalatschüssel versunken, daß nur eine Angel ihn hochhieven könnte. Die Käsescheiben biegen sanft ihre Ränder. Schnell werden noch ein paar Scheiben Wurst nachgeschoben.

Und unsere Ruhe ist dahin. Statt zufrieden mümmelnder Frühstücksgäste lärmend aufbrechende Touristenscharen. Geschäftig wieseln die Kellner umher, um die Tische fürs Mittagessen zu decken. Mit Geschepper werden die Platten vom Buffet abgeräumt. Haben wir da nicht auch schon das Dröhnen des Staubsaugers gehört?

Allmählich aber scheinen wir auf Verständnis zu stoßen. Hilfe naht für all jene, die nicht schon in aller Herrgottsfrühe an der Restauranttür Einlaß fordern wollen. Sieben Hotels im Oberdrautal im österreichischen Bundesland Kärnten sind zu einer profunden Einsicht gekommen: „Für viele zählt gerade in den Ferien das Ausschlafen zu den wichtigsten .Tätigkeiten’.“ Sie sprechen uns aus dem Herzen. Und obendrein ziehen sie aus dieser wirklichkeitsnahen Erkenntnis auch noch Schlüsse und versprechen: „Frühstück bis zwölf Uhr mittags und keine Störung durch das Zimmermädchen sind in diesen Betrieben garantiert.“