Was für ein häßliches Geschäft doch das Pubertieren ist! Man kann nichts dazu tun, man kann nichts davon wegnehmen. Die Mädchen zeigen ihre spitzen Brüste durch den Netzpullover und ziehen den Jungen die Finger weg. Die Jungen masturbieren achtmal am Stück, bis am Ende nur noch heiße Luft kommt und ein Gefühl der Leere bleibt, für das sie noch nicht einmal den hilfreichen Begriff der Sinnlosigkeit haben. Was bleibt, sind Schmerzen im Handgelenk, die schale Bier-und-Zigaretten-Coolness und der unablässige Ansturm der kleinen geilen Zwerge, die in der Hose und im Hirn wüten und mit keiner Hand- oder Kopfarbeit wegzubeamen sind.

Was für ein häßliches Geschäft doch das Pubertieren ist, kann man in einem poppig-bunten Büchlein von einem nicht mehr ganz jungen Innsbrucker Autor, erschienen in einem kleinen Innsbrucker Verlag, nachlesen (Peter Spiegel: Zeit der Farben; G. Meßnart Verlag; 92 S., 14,– DM). Im Zeitraffer vom Schulhof zum Kontakthof; noch meint der Vater, die Tür zum Zimmer seiner Tochter müsse offenbleiben, schon sieht der Knabe Peitschen niedersausen und die Leiber in Suff sich auseinander- und in Leder sich zusammenziehen. Dieter Spiegel zaubert dieses jugendliche, von der Sexualität bedrängte Lebensgefühl, diese forcierte Lethargie, welche die aufgewühlte Gier nie unter Kontrolle kriegt, dieses mit Stumpfheit bekämpfte Nervös-Spitze, dieses peinlich Pubertäre eben, mit wenigen Strichen ganz sauber hin. Leere Dialoge, leere Köpfe, die Lungen voll Rauch, daß es weh tut. Am Anfang der volle Mond, der nichts zu sagen hat; am Ende ein zu großer Hintern, der auch nichts bedeutet. Nur nicht zuviel Anti-Hesse, nur nicht zuviel Bukowski, hat sich Dieter Spiegel gesagt; und wo er sich daran gehalten hat, ist sein kleines buntes pubertäres Ding ganz ansehnlich geraten.

Hubert Winkels