Noch einmal mußten sie fahren. Sie kamen aus allen Tälern Thüringens. Aus Göschwitz, Schaala, Sonneberg, aus Triptis und Blossenau, aus Ramsla, Lobdeburg und Rudolstadt strömten sie herbei und sammelten sich bleich und Wild im Samstagmorgengrauen am Abbe-Sportfeld zu Jena. Charly und Fisch: seit Mittwoch nicht geschlafen. Kalle: durchgemacht. Wolfram: schlief prima, aber nur fünfzig Minuten. Die Busse rollten an. Männer, sprach Fanclub-Chef Uwe Dern. Männer, ihr wißt, was gilt. Wir siegen heute oder steigen ab. Auf nach Köln!

Der Thüringer neigt zum Wahnsinn, wenn seine Wälder wanken, und der FC Carl Zeiss Jena ist die dickste Eiche im Thüringer Wald. Sie soffen und sangen wie von Sinnen hinten im Bus, Gute Freunde bei der Volksarmee, den Kleinen Trompeter, Grubensport-Choräle auf das Schalke des Ostens.

Zwei gekreuzte Hämmer und ein großes W – das ist Wismut Aue, unsre BSG. Und wir haun nach uraltem Brauch dem Gegner mit’n Hammer auf’n Bauch. Glück auf! Glück auf!

In Berlin gilt der Jena-Fan als schwerbeschädigt, selbst in der eigenen Familie. Aber ist das denn kein Eheglück, wenn des Gatten einziges Laster ihn samstags von 15.30 bis 17.20 Uhr vor den Videotext bannt? Er stiert auf stumme Schrift. Er bezittert flackernde Ziffern. Er hackt mit dem heraldisch geschmückten Bierkrug ("Mein Club: FC Carl Zeiss") auf den Tisch und kräht: Auswärtspunkt! Auswärtspunkt!

1:5 in Wolfsburg.