Renate de Boer hatte die Nase voll. 1992 gründete die Insulanerin auf Norderney die Bürgerinitiative gegen die Auswüchse des CluMourismus "Norderney hatte einen leichten Knacks weg als Kegelclubinsel", klagt die resolute Frau, die selbst Gästezimmer und Ferienwohnungen vermietet.

Ihr Ärger richtete sich gegen Reiseveranstalter, die Norderney im Frühjahr und vor allem im Herbst zu einem populären Wochenendziel trinkfreudiger Kegelund Fußballclubs gemacht hatten.

"Diese Leute kommen schon betrunken von der Fähre, sie machen Lärm und pöbeln Frauen an", schildert Renate de Boer die Verhaltensauffälligkeiten der Inselrowdys.

Als Sündenbock machte ihre Initiative den Reiseveranstalter Müller Touristik aus, der gleich drei Hotels in Norderney gepachtet hat und dort - vor allem zwischen Ende August und Oktober, dann wieder im Frühjahr - mit der erlebnishungrigen und trinkfreudigen Klientel 500 Betten belegt.

"Clubtourismus ist sehr laut", gibt Müllers Marketingleiterin Mechthild Stadtmann zu. Die Münsteraner Firma ist mit jährlich 200000 Kunden in Deutschland Marktführer bei den Clubreisen.

Kämen diese Kunden in der Nebensaison nicht auf die Insel, so Mechthild Stadtmann, "könnte sich Norderney doch in den Winterschlaf legen. Norderney war schon immer eine Clubinsel Rund zehn Prozent seiner touristischen Einnahmen erzielt das Inselstädtchen nach De Boers Schätzungen aus dem Clubtourismus.

Da viele Gastronomen mit den Keglern, Fußballern und anderen in Gruppen reisenden Kurztouristen ein gutes Geschäft machen, haben die Beschwerden der Bürgerinitiative auf der Insel auch eine heftige Gegenreaktion ausgelöst.