Ein bißchen Festlaune herrscht in Bonn. Das ist nicht nur wegen der Sommerfeten, die sich in den knapp drei Wochen drängeln, ehe das Parlament in die Ferien geht. Auch die breite Genugtuung bei der Union wegen der Wahlen gehört dazu und etwas Feierstimmung wegen des Museums zur deutschen Nachkriegsgeschichte, das der Kanzler am vergangenen Dienstag eröffnet hat (und über das wir nächste Woche im Feuilleton ausführlich berichten werden).

Helmut Kohl kann sich, wie bei der längst etablierten Bundeskunsthalle, als der eigentliche Bauherr fühlen. Außer dem Kurfürsten Clemens August hat keiner vor ihm Bonn so viel steinerne Repräsentation beschert. Der Kanzler erst als Kunstfreund und nun als Historiker, der er ja von Haus aus ist. Ja, es fügt sich alles wunderbar.

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Mit dem Geschichtsmuseum ist Bonn jetzt komplett. Dort ist seine Nachkriegsvergangenheit, die Bonner Republik, wenngleich im Wechselspiel mit der DDR, zu Hause. Es war Glück dabei, daß alles auf die letzte Minute zustande kam: Nur einen Monat vor dem Beginn der deutschen Wende wurde der erste Spatenstich getan, und eine Woche nach dem Berlin-Beschluß des Bundestages wurde die Richtkrone hochgezogen.

Überhaupt kann Bonn sich glücklich schätzen. Der Vertrag über die Kompensation des Wegzugs vom Rhein ist endlich unter Dach und Fach. Mehr als 2,8 Milliarden wird der Bund an Zuschüssen bis zum Jahr 2004 zahlen – nicht nur für die Wirtschaftsförderung und die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, sondern auch für Bonn als Standort von neuen Einrichtungen für Wissenschaft, Kultur und Entwicklungspolitik. Das ehrgeizigste Vorhaben heißt Caesar als Kürzel für Center of Advanced European Studies and Research.

Zwar weiß noch keiner genau, wie sich dieses Zentrum in die europäische Bildungs- und Forschungslandschaft einfügen wird. Aber allmählich nimmt das künftige Bonn doch Konturen an: als Platz für Museumsfreunde, zumal für Historiker, als Heimstatt für eine Menge verbleibender Beamter in Bundesinstitutionen, Handel- und Gewerbetreibende sowie viele Wissenschaftler und Studenten, alle vereint in einer ruhigen, wenn nicht gar beschaulichen Mittelstadt. Die Berliner Republik wird ferne sein – so fern wie die Zeugnisse allen Anfangs, die jetzt im Geschichtsmuseum zu sehen sind.

Carl-Christian Kaiser