Noch immer gilt: Wer in EU-Ländern ohne persönliches Ausweisdokument reist, kann böse Überraschungen erleben.

Elklinde und Gerd W. aus Aachen hatten einen günstigen Charterflug nach Kárpathos gebucht. Mit ihren beiden Töchtern, die eine sechs Jahre, die andere sechs Monate alt, fuhren sie die 250 Kilometer zum Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Die Dame am Schalter der KLM-Chartertochter Beiair fragte sehr freundlich, aber bestimmt nach den Ausweisen. Säugling Nele hatte noch keinen. Dann sei nichts mit Fliegen. Ohne Legitimation, es täte ihr sehr leid, sei hier Endstation; und selbst wenn sie durchkämen: Spätestens die Griechen würden sie "keinesfalls ins Land lassen". Schließlich sei ja eine Kindesentführung denkbar...

"Wir können nur warnen, ohne Ausweis zu fahren" – das ist der Tenor aller, ob Reiseveranstalter, Fluggesellschaften oder Auswärtiges Amt. Veranstalter wie die TUI, sagt deren Sprecher Rainer Ortlepp, sichern sich mit Hinweisen in ihren Katalogen ab, etwa daß "für die Einreise gültige Dokumente" mitzuführen seien.

Damit ist man zwar "nicht auf der Höhe der Politik", aber rechtlich aus dem Schneider, denn man könne nie genau prophezeien, wer was wann wo nach nationalstaatlichem Gusto zu kontrollieren gedenke. "Eigentlich", so Ortlepp, müsse man ja auch hierzulande ständig einen Ausweis dabeihaben, um sich zu legitimieren. Die Fluglinien, die beim Einchecken vorab die Ausweise sehen wollen, seien, so Ortlepp, "quasi die staatlichen Erfüllungsgehilfen" dieser Praxis, in der einer die Verantwortung auf den anderen schiebt.

Wenn auch bei europäischen Flügen bisweilen, je nach Ziel, am LH-Schalter kontrolliert werden müsse, so Lufthansa-Sprecher Peter Höbel, diene dies dem Schutz aller: dem der Kunden, damit sie keine bösen Überraschungen am Zielort erlebten, und dem der Lufthansa. Die nämlich muß Abgewiesene auf eigene Kosten zurückfliegen und zudem happige Strafen zahlen. Höbel: "Wir sind überhaupt nicht scharf auf Ausweiskontrollen, aber die Fluggesellschaften müssen sich nach behördlichen Vorgaben richten."

In manchem Land, etwa in England, gebe es offenkundig "beim Umsetzen europäischen Rechts noch viel zu tun". Dennoch, so Hobels Quintessenz, laufe es im EU-Luftverkehr deutlich besser als noch vor wenigen Jahren: "Probleme sind heute die Ausnahme."