Der Aktien- und Rentenmarkt glich in den vergangenen Tagen eher einem Spukhaus als einem Handelsplatz, auf dem erfahrene und vernünftige Geschäftsleute ihrer Tagesarbeit nachgehen. Von einem Gespenst, das durch die Börsensäle geistert, war keineswegs nur an den acht deutschen Wertpapierbörsen die Rede: dem Gespenst einer drohenden Inflation. Die Furcht davor reicht offenbar bis in die Chefetagen global operierender Großanleger.

Ursache derartiger Befürchtungen sind die seit Jahresbeginn weltweit steigenden Kapitalmarktzinsen. Hinzu kam zuletzt ein neuerlicher Schwächeanfall des US-Dollars. Mehrfach wiederholte Versicherungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan, man habe die Inflation „eindeutig“ unter Kontrolle, halfen dabei wenig. Kein Wunder, daß der Präsident der niederländischen Notenbank, Wim Duisenberg, auf der BIZ-Jahrestagung in Basel vor der drohenden Gefahr kollektiver Fehlurteile an den Finanzmärkten warnte.

Die Profis auf dem Börsenparkett waren in den vergangenen Börsentagen kaum weniger ratlos als sogenannte Kleinanleger. Gleich zu Beginn dieser Woche wurden sie beispielsweise von einem regelrechten Kurseinbruch bei den Automobilaktien aufgeschreckt. Nun sieht man in Börsenkreisen mit gespanntem Interesse dem Start der Kapitalaufstockung der Daimler-Benz AG am kommenden Montag entgegen. Sollte der Daimler-Kurs im Tempo der vergangenen Tage weiter fallen, könnte bei den geltenden Konditionen von 10 : 1 zum Kurs von 640 Mark die Altaktie eventuell billiger zu haben sein als junge Daimler-Titel.

Einigermaßen gut über die Runden kamen die Aktien der Großbanken. Demgegenüber mußten Maschinenbauwerte vielfach deutliche Kursverluste einstecken. Mannesmann-Aktien litten unter einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, wonach Konzernchef Dieter jahrelang an Aufträgen von Mannesmann zugunsten seiner „Familienfirma“ verdient habe. Überraschend behauptet bis etwas fester präsentierten sich verschiedene Einzelhandelsaktien. An der Börse meint man hierzu, die Verbraucher würden angesichts der Einkommenseinbußen lieber weniger sparen, als sich stärker einzuschränken.

Die Aktie der Metallgesellschaft geriet zuletzt unter Abgabedruck. Es wird befürchtet, daß die MG weiterhin „Tafelsilber“ ihres Firmenkonglomerats verkauft. tr