Warum eigentlich sollen deutsche Soldaten am 14. Juli 1994 nicht auf den Champs-Elysees paradieren, um zusammen mit den Franzosen den Jahrestag der Großen Revolution zu feiern? Sind denn Frankreich und Deutschland nicht längst schon mehr als Verbündete, sondern in gemeinsamem Wirtschaften und gemeinsamer Sicherheit verbunden?

Andererseits: Was eigentlich haben deutsche Soldaten beim Nationalfeiertag der Franzosen zu suchen – an dem Ort zumal, wo Hitlers Wehrmacht 1940 panzerrasselnd die Niederlage Frankreichs zelebrierte, in dem Jahr zumal, in dem das Land der fünfzigsten Wiederkehr seiner Befreiung von den deutschen Besatzern gedenkt?

Die Antwort kann lauten, daß wir die Einladung des französischen Präsidenten als Ausdruck der Versöhnung und als Unterpfand gemeinsamer Zukunft dankbar annehmen. Aber bitte kein Bitburg! Es wäre fatal, wollte der Bundeskanzler François Mitterrand wie weiland Ronald Reagan auf dessen Einladung festnageln, auch wenn der vorerst nur schwache Chor der Kritik in Frankreich anschwellen sollte. Dann bliebe nur, taktvoll abzuwinken. Versöhnung verlangt auch Respekt vor dem Schmerz der Erinnerung. –cb–