Fühlen Sie sich sicher? Jetzt, in diesem Moment? Wo sind Sie? Im Lokal? Oder sitzen Sie im Zugabteil mit fremden Leuten? Haben Sie Ihr Portemonnaie noch bei sich? Ist Ihre Hose offen? Falls Sie zu Hause sind: Haben Sie Ihr Auto abgeschlossen?

Das war, für den Anfang, ein bißchen Verunsicherung in Sachen Besitz, Intimität und Bewegungsfreiheit. Die Sicherheit an sich ist ja ein schönes Thema, sofern man sie hat.

Neben Schloß und Riegel gibt es Zahlenkombinationen und Codes. Das Bedürfnis, das eigene Umfeld zu kontrollieren, läßt sich damit auf vielfältige Weise befriedigen. Vorübergehend. Auf Dauer gestillt wird es so nicht. Immer neue Sicherheitssysteme offenbaren immer neue Risiken, die Sicherheitsexperten zu neuen Höchstleistungen anspornen, worauf Hacker und Knacker wieder mit Begeisterung reagieren.

Eines kommt bei diesem Wettstreit mit Sicherheit heraus: viel Geld. In Deutschland verzeichnete die Sicherheitsindustrie in jüngster Zeit eine Steigerung des Umsatzes um 20 Prozent auf 13 2 Milliarden Mark, die Kriminalitätsrate schaffte bloß einen Anstieg um 8 3 Prozent.

WiejdcherjjiW wenn Sie nicht anwesend sind? Gerade wenn man nicht bei sich ist, ist das, was zu einem gehört, spürbar gefährdet. Hab und Gut, wertvoller, intimster Besitz. Und darin sollte ein anderer wühlen? Ein Fremder? Ihren Schmuck haben Sie im Tiefkühlfach eingefroren. Schecks und Bargeld schwimmen in einem Plastiktütchen im Wasserkasten im Klo. So hat alles seinen Platz.

Ihre Haustür? Dreifach gesicherte Kette. Kastenschloß mit Sperrbügel. Das Schließblech durch Schwerlastdübel im Mauerwerk verankert. Haben Sie zu Hause einen Anrufbeantworter, um nicht ans Telephon gehen zu müssen, wenn Sie daheim sind? Haben Sie. Ihr Reisekoffer? Hat ein Zahlenschloß, dessen Kombination Sie immer wieder vergessen. Was ist mit Ihrer Handtasche? Die halten Sie ganz fest. Wissen Sie noch die Geheimnummer Ihrer Scheckkarte? Haben Sie schon eine Alarmanlage für Ihr Auto?

Es genügt eine Alarmanlage, die wie eine Alarmanlage aussieht. Für 19 98 Mark. Gerade diese Art Mimikry erfüllt ihren Zweck besser als das vielfach teurere Markenprodukt. Sicher sind nämlich beide nicht. Eine gute Attrappe wird indessen sauberer geknackt als das kostspielige Original. Die Zerstörung ist geringer. Außerdem ist eine kleine Hürde nicht herausfordernd. Je höher die Barrikade, je komplizierter die Verschlüsselung, desto größer der Reiz, das Hindernis überwinden zu wollen. Was dahinter verborgen liegt, gilt es zu finden. Soll es womöglich sogar entdeckt werden? Wozu wird es versteckt und mehrfach gesichert? Weil es einem genommen werden könnte. Weil man es darum nicht zu zeigen wagt. Doch wie etwas fühlbar besitzen, wenn niemand es sehen darf?