Einer der ältesten Erlebnisparks Europas, der Efteling in der niederländischen Provinz Brabant, will expandieren.

Bislang umfaßt der bei Tilburg gelegene, rund eine Autostunde von der deutschen Grenze entfernte Park eine Fläche von 72 Hektar. Um den Anfang der fünfziger Jahre entstandenen Kern aus Märchenwald und Märchendorf reihen sich moderne Attraktionen wie der „Traumflug“ über ein Phantasiereich voller Trolle und Elfen oder die „Fata Morgana“, die Besucher auf Barken in die Welt von 1001 Nacht entführt. Jetzt will der Efteling mehr als fünfmal so groß werden: Um Mehrtagesbesucher aus Belgien und Deutschland anzuziehen, soll in den nächsten fünfzehn Jahren auf 380 Hektar die „Welt von Efteling“ entstehen. Geplant sind ein Golfpark und ein Family Entertainment Centre mit Läden, Cafés und Theater, eine Anlage mit 450 Bungalows sowie eine Ferienstadt mit 650 Appartements zum Beispiel in Grachtenhäusern oder einem bretonischen Fischerdorf. Frühestens im Jahr 2008 soll dann mit dem Bau eines zweiten, zum größten Teil überdachten Themenparks begonnen werden, der auch im Winter geöffnet bleiben kann. Gesamtkosten: 90 Millionen Mark. Angesichts der Probleme des Konkurrenten Euro Disney ein geradezu übermütiges Projekt.

„Euro Disney ist das Risiko eingegangen, alles auf einen Schlag zu realisieren“, erläutert Marketing-Direktor Reinoud van Assendelft de Koningh. „Wir arbeiten in Phasen. Der Golfplatz wird als erstes realisiert. Die Eröffnung ist noch in dieser Saison. Und um das Risiko zu dosieren, prüfen wir nach jeder Phase erst die Rentabilität, bevor wir mit der nächsten beginnen.“ Außerdem, so betont er, bleibe das unverwechselbare Efteling-Profil erhalten: „Wir setzen auf die europäische Märchenkultur. Und das ist etwas anderes als Mickey Mouse und Donald Duck.“

Bislang ging dieses Konzept auch geradezu märchenhaft auf: Alles, was Euro Disney dem Efteling nehmen konnte, war der Titel „Größter Freizeitpark Europas“. Im letzten Jahr stieg die Besucherzahl im Efteling auf mehr als 2,7 Millionen. 75 Prozent kamen aus dem eigenen Land, der Rest aus Belgien, England und Deutschland.

Bei einem Bekanntheitsgrad von 98 Prozent in den Niederlanden sieht sich der Efteling auch gegen die Konkurrenz im eigenen Land gewappnet: Obwohl die Niederlande mit rund 140 solcher Einrichtungen bereits zu den Ländern mit der größten Freizeitparkdichte Europas gehören, hat im April noch der archäologische Park Archeon geöffnet, im Laufe des Jahres kommt noch Walibi Flevo dazu. „Es dauert nicht mehr lange, und ganz Holland ist ein einziger Erlebnispark“, schrieb die Tageszeitung de Volkskrant.

Doch jetzt ist der Markt langsam gesättigt, Zuwachs muß aus dem Ausland kommen. Für den Efteling bedeutet das vor allem Nordrhein-Westfalen: Ein Büro soll feststellen, ob dort genug Interesse an der „Welt von Efteling“ besteht.

„Mehrtagesbesuche von Freizeitparks“, prophezeit Marketing-Direktor van Assendelft de Koningh, „werden in Europa zum Trend. Auch der Europapark in Rust plant ein Hotel.“