Von Rüdiger Heimlich

Schöne neue Bilder- und Datenwelt: Fernsehbildschirm und Computer werden schon bald eine Einheit bilden und dann eine ganze Reihe von elektronischen Dienstleistungen jedermann zugänglich machen: Telebanking, Teleshopping, Teleteaching, elektronische Zeitungen, Bücher, Archive. Aber die Unterhaltung soll den neuen Märkten erst einmal zum Durchbruch verhelfen: Pay-TV-Kanäle aller Art, in denen Sport- oder Kinderprogramme, Serien-, Spielfilm-, Comicsendungen und anderes abgerufen werden können. Nicht die Werbeblöcke sollen diese Programme finanzieren, sondern die Gebühren der Abonnenten. Über Kabel und Satellit können die Sendungen nur von denen empfangen werden, die ein zusätzliches Decodiergerät auf ihrem Fernsehapparat plazieren. Multimedia, so das Zauberwort, verheißt einen der größten Wachstumsmärkte überhaupt.

Für diese neue Dimension rüsten nun die Medienkonzerne. Alle Wettbewerber sind sich darin einig, daß sich der Markt nur dann schnell öffnen läßt, wenn dem Zuschauer eine einheitliche Empfangstechnik für alle Sender angeboten wird. Nichts sorgt für mehr Kaufzurückhaltung als eine verwirrende Vielzahl unterschiedlicher Decodiergeräte, im Extremfall für jeden Programmanbieter eines.

Damit in deutschen Wohnzimmern keine derartigen Decodertürme entstehen, sollte im Idealfall nur eine Service-Gesellschaft ein einheitliches System anbieten, das den Empfang aller Programme ermöglicht – eine Firma, die ähnlich wie die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) für ARD und ZDF auch die Verwaltung der Kunden für die Pay-TV-Anbieter abwickelt.

So hatte sich das auch Ferd Kayser vorgestellt, für die deutschen Beteiligungen zuständiger TV-Direktor der Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT), eines der größten Medienunternehmen Europas. Denn auch der RTL-Mutterkonzern CLT will in Deutschland Pay-TV anbieten. Im Herbst vergangenen Jahres, sagt Kayser, sei er deshalb nach Bonn gereist, um die Telekom zur Gründung eines Service-Unternehmens zu ermutigen. Der deutsche Staatsriese verfügt über das größte Breitbandkabelnetz der Welt – der Schlüssel, um Pay-TV zu verbreiten. Kayser informierte die Bonner über die CLT-Pläne und hinterließ dort sogar ein Strategiepapier.

In Erstaunen versetzte den Luxemburger wenige Wochen später die Nachricht, daß die Telekom die sogenannte Media Service GmbH tatsächlich ins Leben rufen wollte – jedoch nicht als marktneutrale, hundertprozentige Tochter des Hauses, sondern als Joint-venture mit den größten deutschen Konkurrenten der CLT: der Münchener Kirch-Gruppe sowie mit dem Gütersloher Bertelsmann-Konzern und dem öffentlich-rechtlichen Programmanbieter ZDF. Auch die ARD will einsteigen.

Die CLT sieht sich nicht nur ausgebootet, sondern beklagt zudem eine „unzulässige Kumulation von Monopolen“. Die CLT erwartet vom Bundeskartellamt, daß es diesen Zusammenschluß nun unterbindet. Kayser: „Wenn das Amt nichts unternimmt, ist in Deutschland alles möglich.“ Öffentliche Medienkontrolleure teilen die Sorge der CLT über die „unheilige Allianz“.