Es ist besser, ein festes Einkommen zu haben, als bloß faszinierend zu sein. Stimmt, Oscar Wilde! Früher war an Geld nicht heranzukommen, ohne daß einige Wortmünzen mit dem Kassierer zu wechseln waren; Wetter, Wochentag, Wurzelbehandlung - ein Dialog, der uns das Wertsystem der Bankenwelt nahebrachte. Dauer: im Schnitt fünf Mark.

Heute gibt es Geldautomaten. Eine Erfindung, die nicht nur den Kontostand in die Unendlichkeit verlängert, sondern auch noch der Zeitersparnis dient. Und doch ist das Verhältnis zwischen Mensch und Automat nicht frei von Irritationen. Es ist nämlich so, daß sensible, ganz auf Empfang gestellte Ohren in den 23 Sekunden Äug in Auge mit dem Automaten eine Reihe von Geräuschen vernehmen. Ein nonverbaler Dialog, der uns das elektronische Wertsystem nahebringen Kunden diesem Phänomen hilflos ausgeliefert ist. Wie sich belegen läßt, sind die meisten nicht imstande, diese Laute restlos zu entschlüsseln. Nicht für Geld und gute Worte.

Oder? Hören wir selbst. Unsichtbare Zähnchen schnappen sich die glatte Plastikkarte, verschlingen sie. Mit einem saugenden Fiepen wird zunächst deren Empfang quittiert. Es gibt Benutzer, denen allein dieses Fiepen den Schweiß auf die Stirn treibt.

Dann: ein Moment der Stille. Er überlegt. Elektronische Finger tasten jetzt, unseren Blicken entzogen, die Karte ab, beschnüffeln sie. Prüfen. Prüfen erneut. Kontostand? Bonität? Alter? Dann endlich: ein knappes Schnarren ertönt. Einmal, zweimal, dreimal. Etwa vergleichbar dem Kommentar verärgerter Mütter, wenn die Kinder wieder zu spät heimkommen.

Jetzt - die große Verführung. Wieviel darf es sein? Das Display liegt offen. Der erste Impuls: tausend! Das Herz schlägt schneller, in den Schläfen pocht der Puls. Dreihundert, in Ordnung. Oder doch nicht? Da - ein metallenes Rülpsen, ein gurgelndes Schlucken. Noch schlimmer - ein hochgezogenes, alarmierendes Sirren.

Dann geht alles sehr schnell. Ein Knack, irgendwie abgeklärt und teilnahmslos, und die Scheckkarte wird ausgespuckt Äußerlich unversehrt. Jetzt die Zielgerade, die Knete selbst, phonetisch begleitet von einem bürokratisch abgehackten "Klapp", das im Vergleich zum Vorangegangenen komplett banal daherkommt. Und damit hat sich der Vorgang hineinkatapultiert in die milliardenfache Menge der Buchungsvorgänge heutefarii 17. Juni, 9 44 Uhr.

Die Tausendmarksfrage: Was hat das alles zu bedeuten? Die Kommunikationswissenschaft, sonst schnell bei der Hand mit Input, Output und Black box Theorien, schweigt. Und auch die Hersteller zieren sich. Zwei Tage (= DM 1000 ) braucht es, bis sich einer finden läßt, der es wissen müßte. Geräusche? Beim Geldautomaten? Das saugende Fiepen, das erregte Sirren, das knappe Knack und Klapp - bei ihm verlieren sie ihr Geheimnis "Ist ne Elektromechanik am Arbeiten", sagt der Mann aus Paderborn, der das Innenleben der Geldautomaten seit zwanzig Jahren kennt. Und auch wieder nicht. Alles weiß er auseinanderzunehmen: das Einlesen der Magnetkarte, einen gewissen Geldvereinzeier, der einige Kassetten im Vorrat hat, die er zähltzähltzählt, und auch, wie die abgefragte Geldmenge auf Bändern oder Rollen zum Ausgabeschlitz befördert wird. Es stellt sich heraus, daß der Systemmanager durchaus zufrieden ist damit, wie "das Produkt vom Endverbraucher angenommen" werde. Die "Bedienerführung" sei mittlerweile nahezu perfekt. Nur: Was der Automat eigentlich sagen will, bleibt dunkel. Und wird es bis auf weiteres bleiben: Auch die Enkelgeneration der heutiges Automaten soll fiepen, schnarren und klappen. Sie geben einfach nicht auf.