Für den Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Werner Dieter ist es vollkommen normal, daß eine Firmengruppe, die ihm und seiner Familie gehört, mit Gesellschaften des Mannesmann-Konzerns Geschäfte macht. Dem Aufsichtsrat sei dies bei seiner Bestellung bekannt gewesen, und überdies, die Geschäfte seien regelmäßig überprüft und nie beanstandet worden.

Bis zum Beweis des Gegenteils muß ihm dieses abgenommen werden. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Liegt denn nicht der Verdacht nahe, daß Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder von Mannesmann-Gesellschaften die Firmen ihres „Chefs“ bei der Auftragsvergabe bevorzugen, daß sie nicht so genau wie sonst auf die Mark sehen, wenn eine Dieter-Firma anbietet?

Solche Fragen hätte sich der Mann von Mannesmann ersparen können. Es hätte nur eines Verkaufs der Firmen oder des Verzichts auf Geschäfte mit dem von ihm geleiteten Unternehmen bedurft, um jeden Verdacht zu beseitigen. Das ist allemal leichter gefordert als getan. Schließlich gibt es für einen Spitzenmanager keinen zwingenden Grund, sich mit seinem Geld nicht an Firmen zu beteiligen. Und es ist auch nicht verboten, daß diese Firmen Geschäfte mit dem Unternehmen machen, das der Spitzenmanager regiert.

Aber hier geht es um ein moralisches, nicht um ein juristisches Problem. Es gibt so viele Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen – muß es da ausgerechnet eine Firma sein, die intensive Geschäftsverbindungen zum eigenen Hause unterhält? Daß da irgendwann einmal der Verdacht geäußert wird, es gehe nicht mit rechten Dingen zu, liegt auf der Hand. Und schließlich: Spitzenmanager werden in Deutschland so gut bezahlt, daß sie auch bei der zweitbesten Geldanlage nicht zu kurz kommen. hgk