Der Katalog ist immer noch der schönste, originellste der zeitgenössischen Kunst. Und übrigens gerade 25 Jahre alt "Kunst der sechziger Jahre" heißt er, erschienen 1969 im Kölner Wallraf Richartz Museum. Mit bunten Photos und begeisterten Texten wird hier die Popart Sammlung von Irene und Peter Ludwig vorgestellt, die dem Museum als Dauerleihgabe überlassen wurde "Der Sammler geht voran", schrieb der euphorische Museumsdirektor Horst Keller. Sehr richtig, und seit 69 noch 25mal mehr so. Denn die Pop art war erst der Anfang. In Köln und Kassel, Berlin und Moskau, Wien und Paris, Basel und Aachen war und ist Ludwig inzwischen mit Kunst (fast) aller Länder und Zeiten dabei, als Mäzen in vielen Varianten, wozu auch der angedrohte Liebesentzug gehören kann. Die Publikationen sind zahllos, erfuhren letztes Jahr einen Höhepunkt durch den Katalog zur Ausstellung "Ludwigslust" im Nürnberger Nationalmuseum, ein erlesenes Potpourri aus drei Jahrtausenden. Denn Vorlieben haben die Ludwigs kaum, sondern eine gerechte Liebe für fast alles. Leidenschaft nicht als lodernde Flamme, sondern als ständig schwelender Flächenbrand. Und dadurch eine ständig schöne Gefahr für leicht entzündbare arme Museumsdirektoren und Kommunen. Und längst schon hat der Sammler die Gangart beschleunigt. Denn in Wahrheit ist er ein Kunstpädagoge und Kulturpolitiker.

Im Jahr 1976 unterzeichneten die Ludwigs und die Stadt Köln einen Vertrag, durch den die inzwischen auf 350 Stück angeschwollene Sammlung zeitgenössischer Kunst zum Geschenk, dieses aber gleichzeitig zur Bedingung der Gründung eines Museums Ludwig gemacht wurde. Zehn Jahre später wurde zwischen Rhein und Dom ein neues Doppelmuseum mit Dreifachnamen (Wallraf RichartzLudwig), dazu ein unterirdischer Konzertsaal (Philharmonie) eröffnet. Der ganze Komplex gehört inzwischen zum Kölner Kunst- und Kulturleben, als seis nie anders gewesen.

Aber im Februar dieses Jahres brachte der Name Ludwig aufs neue produktive Unruhe in die Stadt. Die umfangreiche Picasso Sammlung des Ehepaars, die im vergangenen Jahr in Barcelona, Nürnberg und Köln zu sehen war, hat bei den lokalen Politikern die naturgemäß besorgte Frage provoziert, was denn wohl mit diesen Kostbarkeiten in Zukunft werden solle. Die Antwort war knapp und ludwiglogisch: Köln bekommt die Picassos (90 geschenkt, 53 dauergeliehen, ein paar gar nicritj dafür aberffloch 82 zeitgenössische andere Arbeiten geschenkt dazu), wenn es ein Mu seum baut. Denn im Doppelmuseum reicht der Platz schon lange nicht mehr aus. Das Debattieren begann, aber frei nach dem Vorbild von Brechts Seeräuber Jenny wird der Rat der Stadt Köln bei der für den 21. Juni anberaumten Abstimmung wohl finden, daß man da doch nicht kalt und herzlos sein und es überhaupt kein Nein geben kann. Zu Recht. Natürlich wird nach dieser Entscheidung wieder der große Museumsumzug beginnen, und um einen Neubau kommt man nicht herum. Aber das Wallraf Richartz Museum, das vor die Tür gesetzt wird, ist darüber durchaus nicht unglücklich, man hat Pläne im Kopf, einen Platz im Auge, Finanzierungsideen dazu. Für Köln insgesamt aber ist es die Gelegenheit, nicht nur zur besten deutschen Picasso Sammlung zu kommen, sondern die traditionell anspruchsvolle KunstGeographie endgültig zu ordnen.

Endgültig ist allerdings das falsche Wort, wenn es um Peter Ludwig geht. Hat er nicht noch, wie von einigen Kennern bereits aufgelistet, eine Handvoll schöner Picassos zurückbehalten? Der Sammler, Stifter, Leihgeber und Pädagoge findet diesen Hinweis erstaunlich: "Wenn Sie von jemandem ein Haus geschenkt bekommen, dann fragen Sie ihn doch auch nicht nach der Eigentumswohnung, die er noch im Schwarzwald hat Das ist richtig. Und ebenso richtig ist, daß man mit Sicherheit noch aus dem Schwarzwald hören wird. 1