METTMANN - Eine würdige Feier sollte es werden. In der Neandertalhalle lud die Stadt zunächst zu einem Empfang; auf einer Schulsportanlage legten anschließend 130 Rekruten ihr Gelöbnis ab. Zum Abschluß intonierten das 7. Heeresmusikkorps, die Rhine Area Pipes and Drums sowie die Blasmusiker der St. Sebastianus Schützenbruderschaft eine Serenade. Mettmann und das Stabs- und Fernmeldebataillon 820 aus Hubbelrath, einem Stadtteil in Düsseldorf, feierten Anfang Mai das zehnjährige Jubiläum ihrer Patenschaft.

In die Zeremonie mischten sich jedoch Mißtöne: Eine Schar von rund vierzig Demonstranten versuchte mit Sprechchören und Trillerpfeifen, das Gelöbnis zu stören "BRD ohne Armee", forderten sie. Einige riefen auch: "Mörder! Mörder!" Ehrengäste des Gelöbnisses wollen gehört haben, daß die beiden an der Demonstration beteiligten Ratsmitglieder der Grünen, Ursula SchneltingHebeler und Jürgen Jürschick, unter den "Mörder" Rufern gewesen seien.

Die beiden bestreiten das, doch das Dementi ging im einsetzenden Aufschrei der Empörung unter. Als "verantwortungsbewußte Kommunalpolitiker" hätten die zwei "versagt", kommentierte die Rheinische Post. Der Chefredakteur eines Anzeigenblatts schrieb, das "Ereignis" müsse "Organ Transplanteure nachdenklich stimmen, widerlegt es doch die These, der Hirntod sei das sichere Ende allen Lebens". In Leserbriefen geißelten Bürger das "widerliche, niederträchtige Verhalten" der zwei Grünen; einer forderte: "Solche Politiker gehören nicht in unseren Stadtrat " Dieser Ansicht sind auch die vier anderen im Rat vertretenen Parteien CDU, SPD, FDP und die Unabhängige Bürger Wählergemeinschaft (UBWG). Auf Antrag der SPD verabschiedete unlängst der Hauptausschuß einstimmig - die Grünen beteiligten sich nicht - eine Resolution, in der die beiden Ratsmitglieder aufgefordert werden, "sich bei Öffentlichkeit und Bundeswehr zu entschuldigen oder ihr Ratsmandat niederzulegen". Vergangene Woche wurde die Entschließung - gegen die vier Stimmen der Grünen - auch vom Rat verabschiedet.

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90Die Grünen, Hanna Köster, hält die Entschließung für eine "Anmaßung". Schließlich seien die Ratsmitglieder von der Bevölkerung gewählt worden und nicht vom Rat. Weder die nordrhein westfälische Gemeindeordnung noch die Mettmanner Geschäftsordnung böten für einen solchen Beschluß eine Grundlage. Außerdem, meint sie, hätten nicht ihre beiden Fraktionskollegen Grund, sich zu entschuldigen, sondern jene "Ratsmitglieder und Mitbürger, die die beiden mit Unwahrheiten und persönlichen Verleumdungen belegen". "Ja, ich habe gestört, von der ersten bis zur letzten Minute", gibt Ursula Schnelting Hebeler zu. Aber "Mörder" habe sie nicht gerufen, im Gegenteil: Als Jugendliche damit angefangen hätten, habe sie versucht, sie mit harmloseren Parolen zu übertönen. Daß jetzt vor allem die SPD so massiv gegen sie vorgeht, versteht die Grünen Politikerin dabei am wenigsten. Schließlich sei die Mehrheit der Sozialdemokraten vor zehn Jahren, wie die Grünen, gegen die Patenschaft gewesen. Seine Partei könne nicht mittragen, daß das öffentliche Leben in Mettmann zunehmend militarisiert werde, hatte der damalige SPD Fraktionschef Petrus Bockemühl erklärt.

Inzwischen gehören die Soldaten zum Mettmanner Alltag. Die Junge Union trug mit ihnen ein Fußballturnier aus; der ADAC veranstaltete mit ihnen gemeinsam den "Slalom Neandertal". Mettmanner Honoratioren besuchen ihre Paten regelmäßig bei Manövern auf Truppenübungsplätzen und nehmen am Handgranatenwerfen mit anschließendem "Herrenabend" teil; und Bürgermeisterin Ingrid Siebeke (CDU) überbringt jedes Jahr an Heiligabend der diensthabenden Wachmannschaft die Grüße der Patenstadt. Dafür bekam sie vor einiger Zeit die Plakette des Bundesverteidigungsministeriums überreicht - "eine Ehre", erklärte der damalige Staatssekretär Peter Kurt Würzbach, "die sonst nur ausländischen Staatsgästen zuteil wird". Seitdem pflegt die Bürgermeisterin, Staatsgästen gleich, gern die Front abzuschreiten, so wieder kürzlich beim Feierlichen Gelöbnis.

Diese "Militarisierung" sei nicht ohne Folgen geblieben, meint Hanna Köster. Plakate der Grünen seien nach dem Gelöbnis mit roten Zetteln überklebt worden, auf denen zum Beispiel stand: "Lieber Bundeswehr als Grüne Demagogen". Und ein junger Rekrut, Teilnehmer des Gelöbnisses, sei im Europawahlkampf am Infostand auf sie zugekommen und habe erklärt: Er trete für die Todesstrafe und den Einsatz der Bundeswehr im Innern ein; und auf Leute wie sie, die Grünen Politikerin, würde er notfalls "schießen". Hanna Köster: "Bei der Europawahl saß er als Wahlhelfer neben mir Roland Kirbach