Baseler Elend

Da denkt man immer: Ja die Schweizer, die haben doch Geld. Haben sie auch. Zwar hat die Obrigkeit in Basel beschlossen, den Theater-Etat um dreißig Prozent zu kürzen, dann sind aber doch wieder fast eine Million Fränkli da, um einem einzigen Mann den vorzeitigen Abgang etwas erträglicher zu machen. Als dem Intendanten Frank Baumbauer zugemutet wurde, mit dreißig Prozent weniger Subvention die gleiche Leistung zu bringen, erklärte er den Kultur-Sparern, das sei unmöglich, und verabschiedete sich nach Hamburg. Die Baseler schmerzte das nicht. Rasch war ein Nachfolger herbeigezaubert, ein Herr Wolfgang Zörner. Den kannte man in Theaterkreisen zwar kaum, aber da er versprach, mit so viel weniger Geld auszukommen, war er den Baselern willkommen. Der Theaterschlaf, den Zörner dem Haus verschrieb, war den Baselern, weil dem Image ihrer Stadt der Chemie-Küchen abträglich, auch nicht recht. Und so lockte man Zörner nach knapp einem Jahr mit einer Abfindung von 800 000 Franken (rund 920 000 Mark), zu zahlen in vier Jahresraten, aus dem Theater. „Basel manövriert sich sehenden Auges in die provinzielle Bedeutungslosigkeit“, warnte die in Zürich erscheinende Weltwoche. Aber es half alles nichts. Jetzt hat der in Basel lebende Schriftsteller Jürg Laederach dem Kulturminister für Basel-Stadt einen Brief geschrieben, den wir gern zitieren: „Hochverehrter Herr Regierungsrat Striebel! Die neuesten Sparmaßnahmen der Basler Regierung am Theater – wohl als ,Basler Kulturartikel’ in die Stadtgeschichte eingehend – erledigen, so ist anzunehmen, die Theaterfrage. Weiteres Bemühen um einen sterbenden Körper ändert am Resultat nichts mehr. Dies macht Eingeweihte noch stärker um den Kulturminister besorgt. Er stellt ja immerzu Rekorde auf. Bleibt er die geschrumpfte, verlegen lächelnde, nichts sagende Natur, als welche er sein Amt bisher durchwaltete, oder wird er im Fortgang der Dinge ganz atomisiert? Fährt noch immer morgens an seinen Arbeitsplatz. Das ist gewiß bewundernswert. Auch notwendig? Ist denn noch viel zum weiteren Durchwalten da? Konsequenter hat sich noch nie jemand für die Überflüssigwerdung seines Nachfolgers eingesetzt. Vermutlich sollten Sie nun allmählich an sich selber arbeiten. Ihre Antwortunfähigkeit ist aufgrund Ihrer – leider ist es nicht anders zu bezeichnen – im Einklang mit dem Kollektiv vollzogenen, mentalen Budgetkürzung als gegeben hinzunehmen. Ich gratuliere der Stadt und Ihnen, gratuliere der Stadt zu Ihnen, entbiete den Kollegen begeisterten Morgengruß und verbleibe mit freundlichen Grüssen, Ihr Jürg Laederach.“

Präsidial-Jazz

So weiß ist das Weiße Haus nun auch wieder nicht. Great black music, der Jazz, hängt in seinen Tapeten und Gardinen. Doch musikalisch war es schon immer. Selbst seine Skandale inspirierten die Komponisten. Zum Repertoir des Modern Jazz Quartett gehört der „Watergate Blues“. Richard Nixon war ein Freund des Jazz. Und Duke Ellington fand für Nixon zärtliche Worte: „Doch unser neuer Präsident zeigte uns bald sein echtes Interesse an der amerikanischen Musik. Denn als er uns durch einen Teil seiner Wohnräume führte, kamen wir auch in ein Zimmer mit einer teuren Stereoanlage und vielen Schallplatten und Tonbändern. Er wirkte wie ein Kind mit seinem neuen Spielzeug, als er uns alle technischen Kniffe der Anlage vorführte. Ich weiß, daß ich ihn sehr anziehend dabei fand.“ Jetzt hat das Weiße Haus einen leibhaftigen Jazzmusiker. Bill Clinton spielt Tenorsaxophon. Nachzuprüfen auf der im Prager „Reduta Jazz Club“ entstandenen CD „Two presidents’ jam session“ (CR 0001-2-531) mit Václav Havel als Ansager. Der Spiegel hat sich jüngst bizarr vergaloppiert. In seinem „Spezial – Pop & Politik“ behauptet er, Clinton „formuliere das Unbehagen einer ganzen Generation“ auf seinem Saxophon. Ach, nein. Es gab nur einen „Präsidenten“ in der Geschichte des Jazz. Das war der Tenorsaxophonist Lester Young. Sie nannten ihn Pres. Dagegen ist Clinton ein Salatblatt. Sorry, Mr. President.

Letzte Meldung

„Wir meinen, daß unsere Arbeit, die wir als Derivative Kunst beschreiben, für Sie und die Leser der ZEIT interessant ist, da sie unter der Chiffre ‚EinFall von Abfall‘ den Prozeß kreativen Arbeitens zu ihrem Thema macht und sich damit gegen die auch von Ihnen letzthin konstatierten Tendenzen zu einem ‚moralischen Faustrecht’ in der gesellschaftlichen Kommunikation wendet. Das Thema der Derivativen Kunst – der Prozeß, die Operationsweise der Kunst – wird selbstverständlich in ihren Bildern zur Schau gestellt. Dieses Thema wird aber weiterhin gerade auch in ihrem eigenwilligen Start – jenseits etablierter Bahnen der Kunstinstitutionen – mit der Aktion ‚Maecenas Choice‘ zum Ausdruck gebracht. Sie rückt einen Moment künstlerischer Arbeit ins Licht, ohne daß dieser einen Schlußpunkt ausdrückt. Im Gegenteil: Er ist sichtbar Startpunkt weiterer Entwicklung, indem das Publikum eingeladen wird, an den Tatsachen noch mitzuwirken. Sie entläßt also die Derivative Kunst ins Gespräch und läßt zugleich die Kommunikation zum Katapult ihrer selbst werden.“ (Trash/Treasure, Aachen)