Sie weinen ihrer paradiesischen Vergangenheit nach. Sie bringen nichts zustande, um ihre Not zu überwinden. Sie sind feige, medioker und faul. Wer schreibt so über die Afrikaner? Ein Schweizer Bankdirektor? Ein britischer Kolonialoffizier i R ? Ein Beamter im Auswärtigen Amt zu Bonn? Weit gefehlt. Es ist eine Afrikanerin. Sie heißt Axelle Kabou, wurde 1955 in Douala (Kamerun) geboren, hat in Nanterre bei Paris studiert und lebt in Dakar (Senegal). Sie weiß, wovon sie spricht. Kabou war lange genug im Business der Barmherzigkeit; sie hat Entwicklungsprojekte koordiniert und afrikanische Präsidenten beraten.

Der vernichtende Befund, nachdem sie ihren Dienst quittierte: Afrika stehe am Rande des Abgrunds. Seine Eliten seien verlogen, korrupt und unfähig. Die larmoyanten Intellektuellen würden ihre Länder als ewige, Opfer von Sklavenhandel, Kolonialismus und Imperialismus darstellen, für deren Folgen der Norden immerfort Ablaß zahlen müsse. Dieses Fazit ist bekannt, die Folgerungen jedoch sind neu und provozierend: Axelle Kabou fordert, daß die Afrikaner auf der Suche nach den Ursachen ihrer Misere - Kriege, Hunger, Massenarmut - endlich einmal in den Spiegel schauen, um ihren Eigenanteil zu erkennen. Sie seien "die einzigen Menschen auf der Welt, die noch meinen, daß sich andere als sie selbst um ihre Entwicklung kümmern müssen. Sie sollen endlich erwachen "

Nein, es gibt noch andere, die das meinen: die Brüder und Schwestern im reichen Norden, die Tiers mondistes. Hierzulande heißen sie Dritte Welt Bewegte. Die Humanitätsduseligen unter ihnen sind stets tief betroffen und machen Weltmultis, Weltbank und Weltmarkt, Schuldenfalle und IWF Diktat für den Ruin der armen Länder allein verantwortlich. So beten schwarze Eliten und weiße Helfer den Glaubenssatz gemeinsam her, es gebe "ein jahrhundertealtes Komplott des weißen Mannes gegen den schwarzen Mann". Da braucht man über komplexe Ursachen nicht mehr nachzudenken.

Geradezu blasphemisch muß daher Axelle Kabous These klingen: "Das Afrika dieserwundervolle Kontinent der vor dem Eindringen der Koloriisatoren eine völlig harmonische Einheit bildete ist ein antikolonialistischer Mythos und hat nichts mit der Realität zu tun Es gab im stillen, friedlichen Afrika Raubimperien und Stammesfehden, Sklavenhandel, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Was, so fragt die Autorin, haben die jungen Staaten Afrikas nach dreißig Jahren Unabhängigkeit erreicht? Ihre Antwort: nichts. Die einzigen Methoden, die sich die Afrikaner zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse bewahrt hätten, seien "Improvisation, Verschuldung, Bettelei".

Warum, so fragt sie weiter, gelingt es den Menschen in Thailand und anderswo, sich aus dem Elend zu arbeiten? Weil sie sich nicht in goldene Zeitalter zurückträumen.

Weil sie nicht Fortschritt und Entwicklung verweigern. Weil sie Neugier, Phantasie und Wagemut beweisen.