Von Wolfgang Kreiss

Der Kursverfall am deutschen Rentenmarkt seit Jahresbeginn hat einige Marktsegmente ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Bei etlichen Null-Kupon-Anleihen, wie die Zero-Bonds hierzulande bezeichnet werden, sind die Kurse so kräftig eingebrochen, daß sie derzeit so hohe Renditen abwerfen wie vor vier Jahren, als mit normalen Anleihen zwei Prozentpunkte mehr zu erwirtschaften waren als heute. Die Chance, sich die hohen Erträge über Jahre zu sichern, sollten Anleger nutzen. Denn neben der ansehnlichen Rendite bieten die Zeros den Vorteil der Steuerstundung, und bei einigen Papieren sind Teile der Erträge sogar steuerfrei.

Ausgegeben werden die Zeros von Industrieunternehmen, Banken, oder sie sind, wie die Papiere der Euro-DM Securities Ltd., durch Schuldscheine der Deutschen Bundespost (Serie A), der Bahn (Serie B), der KfW (Serie C) oder des Landes Baden-Württemberg (Serie D) abgesichert. Es handelt sich um festverzinsliche Wertpapiere, auf die während der Laufzeit keine Zinsen ausgeschüttet werden. Null-Kupon-Anleihen werden zu einem niedrigeren Preis als dem Nominalwert verkauft und später zu diesem eingelöst: Die Differenz stellt den Zinsertrag des Anlegers dar.

Zu versteuern sind die Zinsen jedoch erst, wenn sie dem Anleihebesitzer zufließen: bei Verkauf der Papiere oder bei deren Einlösung durch den Anleiheschuldner. Damit aber beginnen die Probleme für den Fiskus. Er müßte bei jedem Kauf von Zeros durch eine Privatperson individuell ermitteln, welche Zinsen während der Besitzzeit angefallen sind. Permanenter Streit zwischen Finanzämtern und Steuerberatern wäre unvermeidlich.

Weil der Fiskus nicht dauernd neue Berechnungen anstellen will, wurde vom Bundesfinanzministerium entschieden, daß nicht die vom Anleger effektiv erzielten Gewinne als Zinseinkünfte zu versteuern sind, sondern die Rendite über die gesamte Laufzeit des Papiers zum Zeitpunkt der Emission. Aus dieser Emissionsrendite werden die Zinsen errechnet, die einem Anleger während der Besitzdauer hypothetisch zugeflossen und tatsächlich zu versteuern sind. Für Anleger sind deshalb die bis zum Jahr 2016 laufenden Papiere der Euro-DM Securities, nicht nur wegen der aktuellen Rendite von rund 7,9 Prozent, sondern auch wegen der niedrigen Emissionsrendite besonders interessant. Die beiden 2016 zur Rückzahlung fälligen Anleihen der Serien B und C sind mit Emissionsrenditen von 5,96 und 5,95 Prozent für Anleger in einer hohen Steuerprogressionsstufe zu empfehlen. Rund zwei Prozent der Zinserträge bleiben so steuerfrei. Andere Papiere, wie etwa die bis zum Jahr 2001 laufenden Zeros der Commerzbank Overseas Finance, bringen Steuernachteile. Denn hier beträgt die Rendite derzeit 7,16 Prozent, versteuert werden muß jedoch die Emissionsrendite von 8,01 Prozent.

Wer heute Zeros kauft, sollte deshalb nicht nur die aktuelle Verzinsung, sondern auch die Emissionsrendite und den damit verbundenen Steuereffekt mit ins Kalkül ziehen. So sind die verschiedenen bis zum Jahr 2016 laufenden Papiere der Euro-DM Securities oder die Zeros der Hessischen Landesbank für den Steuersparer wesentlich interessanter als etwa die Anleihe der Weltbank, die am 20. Dezember 2015 fällig ist. Bei einer aktuellen Rendite dieses Papiers von 7,36 Prozent müssen 7,02 Prozent versteuert werden.

Neben der hohen Rendite und dem Steueraspekt offerieren die Zeros einen weiteren Vorteil. Wer sie heute kauft, braucht den Ertrag erst dann zu versteuern, wenn Kasse gemacht wird: durch Einlösung oder Verkauf. Auf die sonst jährlich an den Fiskus zu zahlenden Steuern aus den Erträgen können bis zu diesem Zeitpunkt Zins und Zinseszins kassiert werden. Außerdem kann der Termin der Zinsfälligkeit auf einen Zeitpunkt verlegt werden, der eine geringere Versteuerung der Einkünfte erwarten läßt, beispielsweise nach der Pensionierung. Zeitnaher Vorteil: Weil die Zinserträge erst später zu versteuern sind, wird bei Papieren mit langen Laufzeiten auch der ab Jahresbeginn 1995 zu zahlende Solidaritätszuschlag auf die Zinseinkünfte eliminiert.