Tragen, v. t.: „stützend halten“ – ein Wort aus dem Basic German. Seine Bedeutung läßt sich höchstens, und dann höchst notdürftig, durch ein paar mindestens ebenso erklärungsbedürftige Wörter erklären. Substantivische Ableitung: Träger, m. Seine Bedeutung läßt sich gar nicht mehr ermitteln, seit es in inflationären Gebrauch kam und zu einem bloßen Suffix wurde, pardon, einem „Suffixoid“, einer Art Nachhall, einem Geräusch.

Ein Träger: Das ist zunächst etwas, das etwas anderes trägt. Ein Brückenträger trägt eine Brücke, ein Balkenträger einen Balken, ein Deckenträger die Decke, ein Flugzeugträger schon klar. Der Stahlträger trägt jedoch keinen Stahl, sondern ist aus Stahl, aber okay. Trägt ein Hosenträger die Hose? Sei’s drum – er hält sie stützend.

Auch an gewichtslosen Massen läßt sich natürlich schwer tragen. Der Tonträger tut es oder der Datenträger. Auch selber Gewichtsloses, Abstraktes kann etwas tragen: Ein Wort könnte ein Bedeutungsträger sein, eine rhetorische Formel ein Stilträger; obwohl der Inhaltsträger dem semantischen Nirwana dann doch schon sehr nahe ist. Aber kann der Bus gut ein Verkehrsträger sein? Die Illustrierte als Reklamefläche ein Kontaktträger? Kann ein Kontakt auch nur im lockersten Sinn getragen werden? Suffixoide, Geräusche...

Soweit zum sozusagen sächlichen Bereich. Richtig zum Tragen kommt die Degeneration eines Wortes zum Suffixoid aber erst im Persönlichen. Der Träger ist ja auch jemand, der etwas trägt. Das hat der Sprache schon vor langem den Schwertträger, den Wasserträger, den Fackel-, den Fahnen- und den Bannerträger beschert (der dann eine metaphorische Karriere machte), in neueren Zeiten den Briefträger, den Gepäckträger, den Zeitungsträger, aber auch gegen die anderen tragenden Personen dieses Schlags ist nichts zu sagen: den Koffer-, den Möbel-, den Sack-, den Kranken-, den Sargträger und womit der Mensch sich sonst noch alles abschleppen muß.

Daß im Deutschen auch Kleidung und Körperattribute getragen werden, hat zu einer großen Schar anspruchsloser und legitimer weiterer Träger geführt, vom Bart über den Brillen zum Jeansträger und der Jeansträgerin. Frauen sind bei den kommenden T.n immer inbegriffen, was um so leichter fällt, als die Sprache sich bisher nicht zu Trägern primärer Geschlechtsmerkmale verstanden hat, Büstenträgerinnen etwa.

Nun will es die Idiomatik, daß zufällig noch etliche andere Dinge getragen werden. Zum Beispiel ein Name oder ein Risiko. Das hat Namens- wie Risikoträger geradezu unvermeidlich gemacht. Auch Verantwortung und Kosten werden getragen, meist von Institutionen. Eine Flut weiterer Träger war die Folge, schlechthinniger und qualifizierten: der Verantwortungsträger und der Kostenträger selbst, aber auch der Programmträger, der Bauträger, der Versicherungsträger.

Alle diese Träger tragen schwer an ihren Lasten, aber sie werden dafür auch wichtig genommen, zumindest von den Getragenen. Vermutlich war es das Gewicht dieser offiziellen Träger, zusammen mit dem der schon lange vorhandenen Würdenträger und Amtsträger, das dem Suffixoid in neueren Zeiten einen ungeahnten Auftrieb verschafft hat. -träger wurde zum Imponierlaut. Zum Funktionsträger war es nur ein kleiner Schritt. Manchmal wird noch getragen, was sich zwar nicht eigentlich tragen läßt, was aber wenigstens noch irgendeine Eigenschaft oder Qualität oder Befugnis ist, die einer innehaben kann: Bedarfsträger, Lizenzträger, Geheimnisträger oder der wenigstens noch halb und halb ironische Bedenkenträger.