So kommt Lebensfreude in die tristen Stuben deutscher Finanzämter. Nun können dort die Bediensteten im Geiste, beim Kontrollieren der Spesenbelege, die Gaumenfreuden kostspieligster Gourmettempel genießen: Kaviar, bretonische Austern zu einem Glas Champagner, Seeteufel mit einem italienischen Pinot Grigio – dank Theo Waigel, der mit Wirkung vom 1. Juli verfügt hat, daß alle Spesenritter nun detailliert ihren Verzehr belegen müssen. Das schlichte „Speisen und Getränke“ reicht nicht mehr. Doch warum hat Waigel nicht ebenfalls noch vorgeschrieben, daß Rezepte, Bezugsquellen, vielleicht gar Photos mitgeliefert werden müssen? Das wäre noch unterhaltender geworden. Wenn es ihm nur darum gegangen wäre, Spesenbetrug zu verhindern, hätte er ja nur die steuerliche Abzugsfähigkeit solcher Bewirtungen untersagen müssen. Aber das hätte Arbeit gespart und nicht geschaffen – und die Beamten um den Spaß gebracht.