Ob die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans auf Borneo, die medizinische Versorgung der paraguayischen Chamacoco-Indianer oder die Ausgrabung von Haifossilien in den Rocky Mountains – Earthwatch kümmert sich drum.

Die Forschung gehört nicht gerade zu den Lieblingsobjekten staatlicher Geldgeber. Earthwatch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wissenschaftlern, die mit ihren Projekten in finanzielle Not geraten sind, unter die Arme zu greifen. Die gemeinnützig arbeitende internationale Organisation mit Hauptsitz in Boston sponsert diverse Projekte unter anderem, indem sie freiwillige Helfer, EarthCorps-Teams, einsetzt, die den Forschern nicht nur tatkräftig zur Seite stehen, sondern außerdem bereit sind, dafür zu zahlen.

Mehr als 400 solcher Hilferufe laufen jährlich bei Earthwatch ein, nicht jeder findet Gnade vor den Augen der wissenschaftlichen Ausschußmitglieder. Etwa achtzig Prozent der Hilfsgelder kommen allein durch Mitgliedsbeiträge zusammen, fünfzehn Prozent der Finanzhilfe stammen aus Firmenspenden. Das restliche Drittel wird vom Unkostenbeitrag abgezweigt, den die freiwilligen Helfer für ihre Teilnahme an einem Projekt entrichten. Seit der Gründung 1971 in Boston hat Earthwatch 1850 Projekte weltweit unterstützt. Über 40000 Freiwillige haben rund 45 Millionen Mark und fast 4,5 Millionen Arbeitsstunden investiert. Ein europäisches Büro wurde vor vier Jahren in Oxford eröffnet.

Wer an der Mitarbeit bei Earthwatch interessiert ist, muß Mitglied werden. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 25 Pfund, rund 65 Mark. Dafür erhält man jährlich sechsmal das Earthwatch-Magazin, ein Informationsheft, das über die aktuelle Arbeit informiert und die Projekte aufführt, zu denen man sich anmelden kann – jeweils zwei Wochen Einsatz zum Wohl der Allgemeinheit. Ein Einsatz kostet zwischen rund 400 und 2000 Pfund; darin enthalten sind Kost und Logis sowie die Reisekosten am Einsatzort, nicht aber die Anreise.

Nach „Chinas alten Elefanten“ wird beispielsweise in der nordchinesischen Provinz Ningxia geforscht (31. Juli bis 13. August und 14. bis 27. August). EarthCorps-Teams helfen die Sedimentschichten von fossilen Knochen von Elefanten mit schaufelförmigen Stoßzähnen, Säbelzahnkatzen und Tapiren zu entfernen; es gilt zu vermessen, zu sieben, zu konservieren, Erdreich und Fundstücke zu schleppen. Kosten: 1155 Pfund, knapp 3000 Mark.

An Bord der Thomas Thompson, die zur University of Washington gehört, helfen Freiwillige, den Nordpazifikboden, von dem bislang noch keine Karten existieren, zu kartographieren. Unterstützt werden soll das Geologenteam auch beim Einsammeln von Felsstücken und Sedimentteilen (Termine vom 23. Juli bis 1. September, Preis: 1695 Pfund, rund 4410 Mark).

Um die vom Aussterben bedrohten Otter kümmert man sich auf der schottischen Insel Skye (Termine: 15. bis 26. August, 29. August bis 9. September sowie 12. bis 23. September, Preis 815 Pfund, etwa 2130 Mark). Die EarthCorps-Mitarbeiter müssen dabei täglich bis zu zwölf Kilometer an der Küste entlangwandern und das Verhalten der Tiere beobachten und aufzeichnen.

Auskunft: Earthwatch Europe, Belsyre Court, 57, Woodstock Road, Oxford OX2 6HU, Großbritannien, Tel. 0044-865/311-600. lei