DIE ZEIT

Lieber siegen

Waffenstillstände haben im Prinzip den Zweck, daß die Waffen ruhen. Die bosnischen Krieger sehen das unkonventioneller. Jeder Burgfriede gibt dort nur den Rahmen für großangelegte Offensiven ab.

Fingerzeig

Wenn schon sonst nichts Aufregendes von unseren Fußballern aus Amerika zu berichten ist, dann doch wenigstens ‚ dies: Skandal, Skandal! Da hat also einer von Bertis Buben, der stadionbekannte Hitzkopf Stefan Effenberg, für einen Augenblick die Regel mißachtet, daß Fußball mit Füßen gespielt wird und eben nicht mit demonstrativ gezücktem Mittelfinger, und schon mußte er seine Koffer packen, auf der Stelle, beidhändig, Mittelfinger inklusive.

Frankreich kann Leben retten, aber nicht Ruanda: Falsche Feuerwehr

Kann die Welt nun erleichtert aufatmen, da Frankreich sich bereit erklärt hat, zur Rettung der gequälten Menschen Ruandas in die Bresche zu springen? Fünfhunderttausend Tote, ebenso viele Flüchtlinge und anderthalb Millionen Vertriebene im Landesinneren sind die fürchterliche Bilanz dieses Bürgerkrieges.

Abgewetzt

Gekonnt in Szene gesetzt hat sich Baden-Württembergs Umweltminister Harald Schäfer mit seinem „weltweit ersten Modellversuch gegen Ozon“ in Heilbronn – und das war bis jetzt auch das Beste an dem 2,4 Millionen Mark teuren Spektakel.

Zeitspiegel

In der Wochenzeitung Moskowskije Nowosti glossierte Michail Scheweljow den Übergang von der Planwirtschaft Breschnjews zur „Marktwirtschaft“ Jelzins – am Beispiel einer Autofahrer-Karriere: Der Saporoshez-Fahrer: wissenschaftlicher Mitarbeiter unterster Stufe; 140 Rubel pro Monat; erstes Kind; kleiner Schwarzmarkthandel.

Was wollen die Deutschen mit Europa?

Janusz Reiter, der gescheite polnische Botschafter in Bonn, hatte in seine Residenz zu Tisch gebeten. Ehrengast war Krzystof Skubiszewski, in Bonn ein bekanntes Gesicht.

Das Berlin Document Center geht an die Deutschen: Das Erbe

Ein Festakt wird es nicht werden. Auch kein Tag, an dem die Vergangenheit beschworen wird. An diesem Freitag wird nur ein Behördenschild ausgewechselt, und aus dem Berlin Document Center (BDC) wird die Berliner Dokumentenzentrale.

Wolfgang Ebert: Chefsache

Kürzlich hatte ich beruflich bei der Firma Klopstock & Schlegel zu tun und staunte Bauklötze, als ich in dem Großraumbüro einen Herrn aus der Klasse der Besserverdienenden bemerkte, der die Papierkörbe leerte.

Mussolinis Tagebücher?

Was falsch ist, muß nicht notwendig eine Fälschung sein. Es kann sogar im richtigen Augenblick der Täuschung dienen – so wie jetzt Tagebücher Benito Mussolinis von 1935 bis 1939, die in London aufgetaucht sind und in Rom den Postfaschisten in der Regierungskoalition den Beweis ihrer Beteuerungen zu liefern scheinen: Nicht immer und nicht ganz so schlimm sei der Duce gewesen.

Bonner Bühne: Gewaltig lachen

Die Sache muß einfach ans Licht. Neulich haben sie wieder gesungen. Derart laut, daß es fast die Choräle der schlagenden Verbindungen (zumal das Deutschlandlied, mit allen Strophen) über Bonns Innenstadtgärten hinweg übertönt hätte.

Automobilmarkt: Gute Zeiten für Käufer, schlechte für Händler – niemand nimmt Preislisten mehr ernst: Feilschen um jeden Preis

Den obersten deutschen Autohändler packte das kaufmännische Grauen. Wenn es die offiziellen Preislisten der Hersteller nicht mehr gäbe, so unkte kürzlich Jürgen Creutzig, Chef im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), könnten die Verbraucherorganisationen sich der Sache annehmen und "bundesweite Preisvergleiche fabrikneuer Kraftfahrzeuge" aufstellen und publizieren.

Bonner Kulisse

Verzögert die Bundesregierung das Herbstgutachten der sechs Wirtschaftsforschungsinstitute, weil sie befürchtet, es könnte ihr unmittelbar vor der Bundestagswahl die auf Optimismus gestimmte Kampagne verhageln? Das glaubt zumindest der SPD-Abgeordnete Ernst Schwanhold.

Diäten: Probat

Das kann nur ein Abgeordneter fordern, der nicht wiedergewählt werden will: Die Diäten der Mitglieder des Deutschen Bundestages sollten von 10 000 auf 14 000 Mark im Monat angehoben werden, meint Helmut Becker (SPD), Vizepräsident des Hohen Hauses.

Pestizide: Wäßrig

Eigentlich war es nur ein Detail. Vorige Woche einigten sich die europäischen Agrarminister auf einen Kompromiß zum Anhang der Pestizid-Richtlinie.

Spesen: Delikat

So kommt Lebensfreude in die tristen Stuben deutscher Finanzämter. Nun können dort die Bediensteten im Geiste, beim Kontrollieren der Spesenbelege, die Gaumenfreuden kostspieligster Gourmettempel genießen: Kaviar, bretonische Austern zu einem Glas Champagner, Seeteufel mit einem italienischen Pinot Grigio – dank Theo Waigel, der mit Wirkung vom 1.

Rudolf Engen: Einer wie Schneider

Immer wenn bei der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) das Management der Wahlkämpfe dieses Jahres und das Marketing der Kanzlerkandidaten Helmut Kohl und Rudolf Scharping analysiert wird, sagt Direktionsassistent Dr.

Markt-Report: Buhmann Clinton

In Börsenkreisen zählen nach wie vor latente Inflationsbefürchtungen zu dem Bukett von Gründen für die hartnäckige Schwäche auf den wichtigsten Wertpapiermärkten in Europa und Übersee.

Manager und Märkte

Kaffee: Die braune Bohne wird teurer Vox: Ein Kontrolleur bedroht den Sender Deckel Maho: Die Pleite ist besiegelt

Blumenhandel: Mensch und Umwelt werden ausgebeutet: Preis der Pracht

Laßt Blumen sprechen, wirbt der Blumenhandel – und setzt auf die Sprachgewalt roter Rosen. Doch wenn Blumen tatsächlich erzählen könnten, hätten sie über die Arbeitsbedingungen in ihrer Industrie nicht viel Erfreuliches zu berichten, meint Frank Braßel von der Internationalen Menschenrechtsorganisation für das Recht, sich zu ernähren (FIAN).

Spekulanten in der Falle

Der Dollar-Kurs fällt, und die Experten sind ratlos. Der akute Schwächeanfall der vergangenen Wochen sei das Ergebnis einer eindeutigen Stimmungsmache gegen die US-Währung, heißt es am Frankfurter Devisenmarkt.

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