Wenn man Geronimo jage, heißt es einmal in „Geronimo“, dann scheine es bisweilen so, als jagte man eher einen Geist als einen Mann. So ähnlich geht es einem auch mit diesem Film. Denn Walter Hill und sein Drehbuchautor John Milius erzählen weder die wahre, historische noch die schöne, legendäre Geschichte des letzten großen Apachenhäuptlings Goyathlay alias Geronimo (1834 bis 1909) – sie stochern bloß nostalgisch in den Mythen der klassischen Indianerwestern herum, als könnten sie daraus noch einmal das alte, gute frontier-Amerika zusammensetzen, das es niemals gab.

„Geronimo“ ist eher ein Oratorium als ein Spielfilm: Die Indianer, voran Wes Studi als Geronimo, sitzen wie gemeißelt auf ihren Pferden, die Kavalleristen (Gene Hackman, Jason Patric, Robert Duvall) streichen melancholisch durch ihre Bärte und murmeln etwas von „Pflicht“ und „Gerechtigkeit“, und die Kamera schweift dazu über stumme Gesichts- und Gesteinslandschaften, in denen das Pathos der Erzählung zur Fassade erstarrt. Aber es hilft nichts, die Form ist willig, doch der Geist ist schwach, und der Western, in dem heute peitschenknallende College boys und mutige Matronen ihr Unwesen treiben, hat diese Bilder längst hinter sich. Ohne die Apachen werde die Wüste von Arizona nicht mehr dieselbe sein, klagt Davis (Matt Dämon), der jugendliche Erzähler, am Ende des Films. Da geht es den Amerikanern wie den Deutschen: Das Beste in ihrer Geschichte haben sie selbst zerstört, und sie bekommen es nie wieder zurück, auch im Kino nicht. A. K.