ZEIT: Ein Jahr neues Asylrecht, zwei Drittel weniger Asylbewerber, aber Sie haben im Mai gesagt, es sind Ihnen noch immer zu viele. Wollen Sie null Flüchtlinge?

Kanther: Wenn null Flüchtlinge heißen würde: keine Flüchtlinge in der Welt, dann wäre das ideal.

ZEIT: Sie sind also unzufrieden mit dem Erreichten?

Kanther: Wenn wir vor einem Jahr über 30 000 und jetzt unter 10 000 Asylsuchende im Monat hatten, dann ist das natürlich ein außerordentlich erfreuliches Ergebnis. Wenn wir uns aber vorstellen, daß es so weiterginge mit 10 000 Zuwanderern pro Monat – davon nur wenig wirklich politisch Verfolgte –, dann kann dies kein Endergebnis sein.

ZEIT:: Was wollen Sie denn machen, um auf null Flüchtlinge zu kommen? Wollen Sie das Recht noch weiter...?

Kanther: Ihre Eingangsmetapher „null“ ist nicht meine politische Basis. Deutschland als Land in der Mitte Europas ist und wird ein Land sein, in dem auch Flüchtlinge ihre Heimstatt suchen, und es wird immer ein Land sein, in dem sie, wenn sie berechtigt sind, auch Asyl finden werden. Hier geht es um die unberechtigten Asylbewerber, und deren Zahl muß so weit wie möglich sinken.

ZEIT: Für das neue Asylrecht wurde das Grundgesetz geändert, vor allem wegen der Drittstaatenregelung. Nun scheitert sie aber in der Praxis. Kaum jemand wird in den Nachbarstaat tatsächlich zurückgeschickt. War die Grundgesetzänderung überhaupt nötig?