Waffenstillstände haben im Prinzip den Zweck, daß die Waffen ruhen. Die bosnischen Krieger sehen das unkonventioneller. Jeder Burgfriede gibt dort nur den Rahmen für großangelegte Offensiven ab. So haben es die Serben vorexerziert, so halten es die Muslime seit dem Abkommen vom 8. Juni.

Gepanzert durch die Allianz mit den Kroaten und durch Waffen aus dem Ausland, rücken die Muslime vor: gegen den abtrünnigen Muslimführer Fikret Abdić in Westbosnien, der mit den Serben nach der Devise make money, not war kooperiert. Und gegen die Serben, die siebzig Prozent des Landes halten. Auch am 28. Juni, Jahrestag des Attentats auf den österreichischen Thronfolger 1914 und der serbischen Niederlage gegen die Türken auf dem Amselfeld 1489, mußten die Serben wieder einige Quadratmeter der blutigen bosnischen Erde freigeben.

Gut für die muslimischen Truppen, schlecht für die bosnische Bevölkerung. Die Aussichten für den Friedensvertrag, den die Großmächte im Juli vorstellen wollen, werden trüber. Wie zuvor die Serben, demonstrieren heute die Regierungstruppen die teuflische Logik des bosnischen Krieges: Wer siegt, will keinen Frieden. M. T.