Mit billigeren Einheitstarifen, einem erhöhten Flugangebot und schnellerer Abfertigung reformiert die Lufthansa ihren innerdeutschen Verkehr.

Vom 1. September an führt Lufthansa auf sechs innerdeutschen Strecken zwischen den Städten Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und München ein völlig neues, vereinfachtes Tarifsystem ein.

Unabhängig von der Entfernung gelten auf allen Strecken nur noch zwei Preiskategorien. Zu den Hauptverkehrszeiten in den Morgenstunden und am frühen Abend kostet der Einwegflug künftig 299 Mark. Wer einen erhöhten Service bevorzugt, muß 70 Mark drauflegen. Zu allen anderen Zeiten, auf rund zwei Dritteln der "Euro-Shuttle"-Flüge, so der Arbeitstitel des neuen Angebots, zahlt der Kunde pro Strecke nur noch 1999 Mark für die Economy-Variante oder 249 Mark in der Komfortklasse.

Die bisher geltenden Buchungsbeschränkungen entfallen. Nur wer zum neuen Billigtarif von 99 Mark reisen will, muß zwei Wochen im voraus buchen. Die Anzahl der Plätze zu diesem Discount-Tarif ist jedoch stark begrenzt. Künftig können Economy-Passagiere ungefähr zu dem Preis fliegen, der den heute mit Restriktionen verbundenen günstigsten Sondertarifen entspricht. 1995 soll das neue System deutschlandweit und auf die wichtigsten Europastrecken ausgeweitet werden.

Mit dem neuen Tarifsystem reagiert das LH-Management auf ein verändertes Kundenverhalten und den verschärften Wettbewerb am Himmel. Weil bei vielen Firmen drastisch gespart wird, fliegen immer mehr Geschäftsleute zu Sondertarifen. Außerdem drängt nach der Liberalisierung des EU-Luftverkehrs die internationale Konkurrenz nach Deutschland. Lufthansa-Passagevorstand Hemjö Klein: "Für unsere Wettbewerber sind wir das attraktivste Land in Europa."

Schon jetzt versucht der British-Airways-Ableger Deutsche BA, hierzulande Fuß zu fassen. Erst in diesen Tagen sagte sie der Lufthansa mit Sommerpreisen von 180 Mark für den Hin- und Rückflug auf ihren innerdeutschen Strecken den Kampf an. Bisher war das Unternehmen wegen seiner geringen Größe noch kein ernstzunehmender LH-Konkurrent. Das könnte sich bald ändern. In der Branche wird über eine Kooperation oder gar Fusion mit dem finanzschwachen deutschen Regionalflieger Eurowings spekuliert, der nach einem Partner sucht. Mit zusammen rund 2,5 Millionen Passagieren könnten sie dann der Lufthansa im Deutschland- und Europaverkehr Paroli bieten.

Mit dem "Euro-Shuttle", wollen die Lufthanseaten weiteren ausländischen Konkurrenten zuvorkommen. Gerüchten zufolge planen britische Investoren, eine Niedrigpreis-Linie nach dem Vorbild der US-Airline Southwest in Deutschland zu etablieren. Diese ist, gemessen an ihrem Geschäftsvolumen, derzeit die erfolgreichste Fluggesellschaft der Welt. Das Southwest-Erfolgsrezept: Verzicht auf Bordservice, dafür konkurrenzlos günstige Preise. Die US-Kunden zahlen für Inlandsflüge bis zu 650 Kilometern weit unter 100 Mark. Dem Vorbild Southwest nacheifernd, initiieren nun die US-Fluggiganten United, American und Delta Airlines ebenfalls eigene Billigcarrier.