Die Geschichte des Club Med ist untrennbar mit dem Lebenslauf seines Mitbegründers Gilbert Trigano verbunden, dem Vater des heutigen Clubchefs. Über ihn, eine der wohl schillerndsten Figuren des weltweiten Urlaubsbusineß, verfaßte der Le Monde-Journalist Alain Faujas eine kritische Biographie (Trigano, Flammarion, Paris 1994). Faujas’ Buch, das in Frankreich schnell zum Bestseller wurde, ist eine faszinierende Chronik der Geburt und des Heranwachsens eines Pionierunternehmens der rasant wachsenden, weltumspannenden Tourismusbranche, das Lust feilbietet und Träume verkauft.

Wenngleich er als Widerstandskämpfer gegen die Nazis einige Zeit mit dem Kommunismus liebäugelte und eigentlich Schauspieler werden wollte, verstand er sich früh aufs Geschäft. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, der unter anderem mit Zelten handelte, gelangte Trigano, durchaus zufällig, in Kontakt mit Gérard Blitz, dem eigentlichen „Erfinder“ der Clubferien und Gründer des Club Méditerranée. Dieser brachte es freilich niemals zu ähnlicher Berühmtheit wie Trigano. Der Belgier Blitz hatte zwar glänzende Ideen, war aber kein kühl kalkulierender Geschäftsmann. Bald mußte er sich von seinem einstigen Zeltlieferanten, der schnell sein Geschäftspartner wurde, den Club aus den Händen winden lassen.

Triganos Einsatz für den Club Méd, in den jährlich mehr und mehr Dörfern, kannte keine Grenzen. Binnen kürzester Zeit war das Unternehmen von der Figur seines obersten Bosses nicht mehr zu trennen. Trigano war überall, entschied alles, ließ sich kaum dreinreden. Mal fällte er Millionenentscheidungen, mal flickte er ein Volleyballnetz oder hievte die Koffer seiner Gäste vom Gepäck band.

Ohne Gérard Blitz hätte es den Club Méd nie gegeben; ohne Gilbert Trigano würde es ihn heute nicht mehr geben. Denn er besorgte und schulte nicht nur die mittlerweile 22 200 karg bezahlten, aber hart arbeitenden „Gentils Organisateurs“, die als GOs zum Vorbild aller anderen Animateure in unzähligen Clubs und Hotelanlagen rund um den Erdball wurden. Er weitete das Tätigkeitsfeld des Clubs mit der Hilfe von Geldgebern weit über Frankreichs Grenzen aus. Der Club sollte zu einem Ort werden, wo sich Leute aus vielerlei Ländern verstehen, wo sie an Achtertischen miteinander diskutieren, wo es weder Telephon noch Zeitungen, noch Fernsehen – diese Sinnbilder des tristen Alltags – gibt.

Nicht alles entwickelte’ sich nach den Vorstellungen des unumschränkten Club-Méd-Imperators – vor allem nicht der Wunschgast. Der wollte auch im Urlaub nicht auf Annehmlichkeiten des Alltags verzichten und verlangte immer mehr Komfort. Trigano reagierte, ohne das Grundkonzept des Club Méd preiszugeben. Er wußte immer, daß mit teuren Clubferien nie die ganz breiten Massen zu erreichen sind, daß längst nicht alle Urlauber so weitläufig, so kontaktfreudig, so anpassungsfähig sind wie er selber immer war. Im vergangenen Jahr übergab Trigano die Clubgeschäfte an seinen Sohn Serge und zog sich in den Aufsichtsrat zurück. Fredy Gsteiger