Vor langer, langer Zeit, als alles noch viel einfacher war, bestand die heile Familienweit aus zwei Hälften, der männlichen und der weiblichen. Morgens eilten die Wesen der männlichen Welt an ihren Arbeitsplatz, an dem sie konferierten, operierten, delegierten. Abends sanken sie in den ihnen vorbehaltenen Sessel.

Die Wesen der weiblichen Welt kochten, wuschen, bügelten derweil den ganzen Tag, daß es eine Lust war. Wohlgeratene Kinder umsprangen jauchzend ihre tüchtigen Mütter, die nebenbei sangen, scherzten und trösteten. Abends machten sich die weiblichen Wesen hübsch zurecht, damit sie den männlichen Wesen in ihren Sesseln einen reizenden Anblick boten.

Zur Dokumentation ihrer Zusammengehörigkeit trugen Männer und Frauen nicht nur goldene Ringe, sondern immer auch denselben Nachnamen, traditionsgemäß den männlichen.

Dann kam die Frauenbewegung.

Die heile Familienwelt zerbrach mit einem Geräusch, das entfernt an das Herausziehen eines Badewannenstöpsels erinnerte. Dem Plopp schloß sich ein längeres Gurgeln an, in dessen Folge alles den Bach hinunterging. Plötzlich sah man weibliche Wesen, wenn auch nur vereinzelt, morgens das Haus verlassen. An ihren Arbeitsplätzen telephonierten, kopierten, funktionierten sie. Abends bedienten sie eilig diverse Haushaltsgeräte und nahmen zur Entspannung das Bügelbrett heraus.

Zwar ging, teilten die Frauen auf diese Weise ihr Leben mit Mann und Kindern, in der Regel beinahe alles – siehe oben – den gewohnten Gang, doch wurde die Sache mit den Namen zusehends schwieriger. Denn zwecks Dokumentation ihrer Eigenständigkeit bestanden die weiblichen Wesen immer häufiger auf sogenannten Bindestrich-Schöpfungen. Dabei schreckten sie auch vor kompakten Kombinationen wie Leutheusser-Schnarrenberger, Berghofer-Weichner oder Bubendey-Welker nicht zurück.

Schon bald merkten manche Bindestrich-Frauen, daß die namentliche Dokumentation ihrer Eigenständigkeit im richtigen Leben eher lästig war. Außerdem erschienen in Zeitungen und Zeitschriften immer öfter sogenannte Glossen, deren Schreiber(innen) sich über die Doppelnamen auf respektloseste Art lustig machten.