Was falsch ist, muß nicht notwendig eine Fälschung sein. Es kann sogar im richtigen Augenblick der Täuschung dienen – so wie jetzt Tagebücher Benito Mussolinis von 1935 bis 1939, die in London aufgetaucht sind und in Rom den Postfaschisten in der Regierungskoalition den Beweis ihrer Beteuerungen zu liefern scheinen: Nicht immer und nicht ganz so schlimm sei der Duce gewesen. Die Gelehrten streiten sich, ob echt ist, was dem Sunday Telegraph von einem „Signor X“ verkauft wurde. Dem Oxforder Mussolini-Biographen Denis Mack Smith war es freilich schon 1983 angeboten worden; er fand, daß Ton und Tinte, Schrift und Schläue stimmten, denn der Diktator war von Beruf Journalist und kein fanatischer Amokläufer wie Hitler. So hat er nicht nur seit 1920 private Tagebücher geschrieben, die bislang verschollen sind, sondern nach seinem Sturz 1943 wohl auch solche, zurückdatiert verfaßt, die sein Bild schönen sollten – auch seine fatale Liebe zum Berliner Führer.

„Hitler will den Krieg. Kann ich ihn überzeugen, den Kurs zu ändern? Nein. Das gehört zu den vielen Dingen, die ich nicht kann“, so liest man jetzt unter dem Datum vom 4. März 1939. Am 3. März jedoch notierte sein Schwiegersohn, Außenminister Graf Ciano, in sein (unbestritten echtes) 1946 publiziertes Tagebuch: „Der Duce will das deutsch-italienische Bündnis beschleunigen.“ Warum? „Wegen Albanien“, das Mussolini am 7. April besetzen läßt – wie Hitler drei Wochen vorher die „Rest-Tschechei“. Nein, so brauchbar jetzt manchen in Rom der Schein vom armen, braven Duce ist – er trügt. Hj. Ste.