Von Gunhild Freese

Sensationen haben sie an diesem Tag nicht zu bieten. Immerhin ist von einem Bankraub in Berlin-Wilmersdorf zu berichten, der mit der Selbsttötung des Täters endet und deshalb auch für die Rubrik "Hammer des Tages" herhalten muß. Ansonsten hat das Moderatorenpaar nur ein Sammelsurium von Ereignissen anzusagen, die eher der Rubrik Belangloses und Beiläufiges zuzurechnen sind.

"1A. Der Tag", das täglich von 18 bis 19 Uhr ausgestrahlte Magazin, ist das Aushängeschild des jungen Privatsenders "1A. Neues Fernsehen für Berlin & Brandenburg". Doch Berichte über das Elektroauto Hotzenblitz aus Thüringen, das Treffen von Hobbyschützen im brandenburgischen Prenden oder einen neuen Gewerbepark in Oranienburg erinnern eher an das Fernsehen von gestern.

Ende November 1993 ging "Eins aah" – so ein Werbeplakat – an den Start und eröffnete eine neue Runde im Kampf um Zuschauer und Werbekunden am heimischen TV-Markt. Ballungsraum-Fernsehen heißt der neue Hit, der nun allerorten ins Rennen geschickt wird. Heimat ist angesagt: Mit Berichten aus der Region, Live-Übertragungen örtlicher Veranstaltungen mit Talkshows mit Lokalgrößen und Servicesendungen reicht der Blick der Macher nur wenig über den Tellerrand hinaus. Und 1A darf sich als "erstes privates, regionales Fernsehvollprogramm" preisen.

Da die Zahl der nationalen TV-Anbieter sich kaum noch vermehren läßt und auch weiteren Spartenkanälen – neben n-tv und DSF – vorerst keine größeren Chancen eingeräumt werden, scheint sich mit dem Ballungsraum-TV eine der letzten Lücken am Markt zu schließen. Und deshalb schwappt gerade eine neue Gründerwelle übers Land.

In diesen Tagen vergab der Medienrat Berlin-Brandenburg eine weitere Lizenz für die Hauptstadt und ihr Umland mit zusammen 6,5 Millionen Menschen. Vom 1. September an wird das "Fernsehen aus Berlin" (FAB) aus seiner Kabelnische herauskommen und über terrestrische Frequenzen senden können. Die FAB-Eigner, Video- und Programmproduzenten wie Stefan Aust, der sein "Spiegel-TV" auch über FAB vermarktet, wollen sich vom lA-Programm deutlich absetzen.

Schon seit März dieses Jahres wird im Großraum Nürnberg das "Frankenfernsehen" ausgestrahlt mit Talk-Shows und Servicesendungen sowie Regionalmagazinen.