Von Christiane Sommer

Laßt Blumen sprechen, wirbt der Blumenhandel – und setzt auf die Sprachgewalt roter Rosen. Doch wenn Blumen tatsächlich erzählen könnten, hätten sie über die Arbeitsbedingungen in ihrer Industrie nicht viel Erfreuliches zu berichten, meint Frank Braßel von der Internationalen Menschenrechtsorganisation für das Recht, sich zu ernähren (FIAN). Besonders die Situation in Kolumbien – nach Holland mit 130 Millionen Tonnen Blumen 1993 weltweit zweitgrößter Blumenexporteur – bereitet der FIAN große Sorgen. Seit Jahren macht die Organisation, unterstützt von Terre des Hommes und Brot für die Welt, mit ihrer Blumenkampagne Front gegen die unwürdigen und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen in der Blumenindustrie – ohne durchschlagenden Erfolg. Doch nun sieht es ganz danach aus, als hätten sich die jahrelangen Unterschriftenaktionen, Informationsveranstaltungen und das Verteilen von Handzetteln gelohnt.

Auf der Gartenbauausstellung Plantec kommenden September in Frankfurt am Main wollen der Verband des Deutschen Blumengroß- und Importeurhandels (BGI) und der Verband der kolumbianischen Blumenexporteure Asocolflores ein Qualitätssiegel für Blumen aus Kolumbien vorstellen. Nach den Vorstellungen von BGI und Asocolflores soll das Siegel Blumen aus Betrieben auszeichnen, die alle Kriterien der sogenannten Clean Flower Declaration anerkennen. Clean-Flower-Betriebe verpflichten sich, neben den nationalen Arbeitsschutzbestimmungen auch die in der Deklaration formulierten Umweltschutzauflagen zu erfüllen. Eine Kommission aus kolumbianischen und deutschen Wissenschaftlern soll die Einhaltung auf den Plantagen kontrollieren. Die anfallenden Kosten wollen Asocolflores und BGI zu gleichen Teilen tragen.

„In naher Zukunft wird von unseren Mitgliedern keine kolumbianische Blume mehr ohne das Siegel importiert werden“, freut sich BGI-Geschäftsführer Peter Moeller schon. Und auch Jorge Uribe, Geschäftsführer von Asocolflores in Deutschland, hofft darauf, daß über kurz oder lang auch die schwarzen Schafe einsehen werden, wie wichtig das Prüfsiegel für die Rosen, Nelken und Chrysanthemen aus Kolumbien ist. Denn „die negativen Meldungen machen uns den deutschen und europäischen Markt kaputt“.

Auf das blühende Geschäft mit Europa können die Kolumbianer aber nicht mehr verachten, seit sich in den Vereinigten Staaten, wo achtzig Prozent aller kolumbianischen Blumen verkauft werden, die Konkurrenz aus dem Inland und Puerto Rico breitmacht.

Die über 50 000 Menschen, die in den 450 Blumenbetrieben in der Hochebene rund um Bogotá und im Medellín arbeiten, stieße eine Absatzkrise endgültig ins Elend. Für viele der Blumenarbeiter, vor allem für die achtzig Prozent Frauen unter ihnen, ist die Arbeit in den Gewächshäusern die einzige Möglichkeit, sich und ihre Kinder über Wasser zu halten. Viele Arbeitgeber nutzen die Not der Frauen, die von überall her in die „Savannah“ um Bogotá kommen, schamlos aus. Blumenarbeit ist fast immer auch Akkordarbeit – 48 Stunden in der Woche, oft in der Hocke und bei brütender Hitze. Gezahlt wird der gesetzliche Mindestlohn – laut FIAN zuwenig, um davon mehrere Kinder zu ernähren und auszubilden. Um Kosten für die Sozialversicherung zu sparen, schließen etliche Arbeitgeber nur befristete Aushilfsarbeitsverträge ab. Bei Krankheit werden die Verträge einfach nicht mehr verlängert. Gewerkschaften, die sich um die Interessen der Arbeitnehmer kümmern könnten, sind in solchen Betrieben nicht gern gesehen. Arbeitnehmer, die sich dennoch organisieren, müssen mit Schikanen rechnen.

Rücksicht auf Arbeiter und Umwelt ist in der Kalkulation der Blumenindustrie nicht enthalten. Schuld daran ist nicht zuletzt die anspruchsvolle Kundschaft aus dem Norden, die sich nur mit allerbester Ware zufriedengibt. Sie verlangt Blumen wie mit der Schablone gemacht: eine wie die andere makellos schön, von intensiver Farbe, üppigem Blattwerk und tadelloser Haltung.