Helmut Zipner

Kieler Landtagskoch

Zwei Tage nach meiner Entscheidung, in der Kantine des Kieler Landtags kein Rindfleisch mehr anzubieten, ist in Deutschland die dritte Kuh an Rinderwahnsinn erkrankt. Eine Hereford-Kuh in Sachsen-Anhalt. Was wäre, wenn man die zufällig zwei Tage vorher geschlachtet hätte und das Fleisch wäre am Tresen verkauft worden? „Echtes Rindfleisch aus Sachsen-Anhalt“ oder so. Ja, Mahlzeit! kann ich da nur sagen.

Ich verpflege mit meiner Küche nicht nur Abgeordnete, sondern auch 200 Grundschüler. Die Politiker, die gegen ein Importverbot entscheiden, wird es in zwanzig Jahren nicht mehr geben – aber die Schüler haben dann vielleicht die Creuzfeld-Jakob-Krankheit. Wenn der BSE-Erreger wirklich auf den Menschen übergeht, könnte es in drei bis vier Jahren schon eine Katastrophe geben. Ich will mir nicht sagen lassen, der Zipner hat sich keine Gedanken gemacht.

Seit ich den Speiseplan umgestellt habe, arbeiten wir in der Küche an der Kapazitätsgrenze. Achthundert Essen am Tag. Der Verbraucher hatte sich doch schon vor mir entschieden: In ganz Deutschland sind die Märkte zusammengebrochen. Täglich bekomme ich aus der ganzen Bundesrepublik Anrufe mit Zuspruch. Oder Karten wie diese: „Wir beglückwünschen Sie zu Ihrer Entscheidung“, schreibt Frau Marianne Thermann aus Glückstadt: „Wir wünschen uns mehr solch mutige Menschen. Bleiben Sie stark!“ Und in der Bild-Zeitung empfehlen Politiker Rouladen-Wochen!

Ich habe jetzt auch den Aufschnitt umgestellt. Es gibt kein Roastbeef mehr. Hackfleisch nur noch vom Schwein. Statt Rindersalami Geflügelsülze. Statt Rinderbraten gibt es Blumenkohl mit Schinken, Seelachsfilet mit Kräutersauce. Gemüsepfannkuchen. Oder Matjes.

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