In Hamburg haben sechs Damen des Kirchenvorstandes von St. Johannis Altona scharf gegen die „Phallus-Symbolik“ eines Kriegerdenkmals protestiert und zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern sowie dem Pastor beschlossen, daß dieses Denkmal samt seinen Inschriften „um- oder neugestaltet“ werden soll.

Das Denkmal, drei auf ihre Schwerter gestützte Krieger ohne Helm, Jahrgang 1925, ist von jener unbedeutenden Scheußlichkeit wie viele andere Denkmäler auch. Zwei Sprüche sind pathetisch, einer ist schwerterrasselnd. Sowohl die Damen, die auf einmal an den Schwertern formalgeschlechtlichen Anstoß nehmen (hätten sie mit einer Kanone besser leben können?), wie auch der Herr Pastor, der seinerseits begründet, warum er in seiner Rolle als Mann gegen dieses Denkmal ist (nämlich weil es zu Ehren eines Regiments aufgestellt wurde, das 1848 auch „zur Niederschlagung eines demokratischen Aufstandes eingesetzt wurde“), glauben, die Welt nach rückwärts korrigieren zu müssen. Offenbar in der Zuversicht, sie dadurch heute besser zu machen.

Ein vielfaches Mißverständnis, das auch dadurch, daß alles ungeheuer anständig gemeint ist, nicht besser wird. Denkmäler sind Zeit-Zeugen, ein Stück sichtbare Erinnerung. Sie sagen in ihrer Anschaulichkeit oft mehr als drei Seiten im Geschichtsbuch. Wer sie korrigiert, schickt die Geschichte zum Kosmetiktermin. Anstatt sich um das zu kümmern, was die eigene Gegenwart zu sagen, zu hinterlassen hat.

Monumente und Denkmäler sind heute nicht gefragt, nicht die alten und keine neuen. Oder auch: Man hat das Thema umbenannt in „Kunst im öffentlichen Raum“. Und nur einen Künstler gibt es heute, der wirklich noch Denkmäler im alten Sinn macht: den Amerikaner Claes Oldenburg. Allerdings hat er dem Denkmal mit einem Handstreich den hohen Ton der Gesinnung und den Sockel unter der Erscheinung weggezogen und damit dem alten Sinn den Garaus gemacht. Nicht Roß und Reiter, Dichter und Staatsmann, Krieg und Frieden sind Oldenburgs Themen und Gegenstände. Sondern Lippenstift und Wäscheklammer, Taschenlampe und Frauenknie. In Denkmalsgröße und am Denkmalsplatz vor einer Universität oder auf einem städtischen Platz sind sie beides zugleich: eine Heroisierung des Banalen und eine Ironisierung des Pathos.

Eine dieser Alltäglichkeiten im Riesenformat ist seit der vergangenen Woche in Frankfurt zu sehen, und die Damen aus Altona werden unschwer mit dem ihnen eigenen weiblichen Scharfblick die bekannte Symbolik erkennen: eine Krawatte! Nun hängt die Krawatte zwar nicht, wie in natura oder auch in Schwertform, sondern steht kopf, in erstarrter Bewegung. Aber dem Reinen ist alles Symbol. Für Claes Oldenburg jedoch, der diese Arbeit zusammen mit seiner Frau Coosje van Brüggen geschaffen hat, ist die auf den Kopf gestellte Krawatte, ein Doppelsalto in Sachen Denkmal, ein ungemein passendes Attribut für ein Bankgebäude. Und die Deutsche Genossenschaftsbank, Auftraggeber dieser Skulptur, hat mit dem zwölf Meter hohen Symbol männlicher Flatterhaftigkeit einen teuren Hauch von Heiterkeit vor ihrem neuen, gläsernen, himmelstürmenden Verwaltungsgebäude hinzugewonnen. Wogegen auch die weiblichen Mitarbeiter offensichtlich nichts einzuwenden haben. Aber wer weiß, was in sechzig Jahren angesagt ist. Petra Kipphoff