Es ist letzlich egal, ob und wieviel Schreiben und Bier miteinander zu tun haben, haben sie, jeder, der es kennt, weiß das." Im Bier hat der bayerische Cajun-, Country-, Hillbilly-, Jesse-James-, Oskar-Maria-Graf- und "Bierkampf"-Achternbusch-Verehrer Franz Dobler den Stoff seines Schreiberlebens gefunden. Am Anfang hat seine Mutter Zucker darin verrührt, am Ende der Sohn die Zutaten seines Lebens.

Das war ganz schön, solange der internationale Proletarier unter den Getränken dieser Welt die Rauh-und-ehrlich-Stimmung in Dehlers Geschichten stützte und sogar in einem obergärigen Theaterstück (ebenfalls "Bierherz") den Helden spielen durfte. Es ist aber entschieden zuviel des Guten, wenn Dobler sein Bierherz jetzt zum Markenzeichen ausbaut wie ein Joop! sein Ausrufezeichen. Dann wird er nämlich zum Bier-Yuppie, und die Yuppies aller Zeiten und Länder sind genau das, wogegen der neugestrickte Urbayer seit den Erzählungen "Falschspieler" und dem gelungenen Roman "Tollwut" anschreibt.

Weder die "Gatzweiler"-Westler noch die "Braustolz"-Ostler können zufrieden sein mit Doblers neuer "flüssiger Prosa" namens, noch einmal: "Bierherz" (Edition Nautilus, Hamburg 1994; 128 S., 19,80 DM), zumal der titelgebende Text schon altbekannt ist. Inzwischen hat Dobler soviel über Bier gelesen und soviel Bier in der Literatur entdeckt, daß ein Anmerkungsteil ganz eigener Güte entstanden ist. Wenn nicht Faulheit, dann war es wohl Franz Doblers Angst, als intellektueller Klugscheißer in der imaginären Bierwelt dazustehen, die einen gescheit gebauten neuen Text verhindert hat. Wie es mit dem Schreiben weitergehen könnte, zeigt allein das schnörkellose Tagebuch einer Reise nach Louisiana und Texas, das auch den Ignoranten von Cajun- und Zydeco-Musik etwas sagt, nämlich daß es in bayerischen Gemütern und amerikanischen Sümpfen ein Leben jenseits der lackierten Pop- und Politmythen gibt.

Hubert Winkels