Immer häufiger werden arglose Urlauber im Ausland von Rauschgifthändlern als „Drogenkuriere“ mißbraucht. Auch wer unwissentlich Rauschgift transportiert, muß mit drakonischen Strafen rechnen.

Die Zahl der Fälle, in denen deutsche Urlauber im Ausland wegen Rauschgiftdelikten festgenommen, vor Gericht gestellt und zu Haftstrafen verurteilt wurden, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ein großer Teil der insgesamt rund 1500 Deutschen, die zur Zeit in ausländischen Gefängnissen einsitzen, ist wegen des illegalen Besitzes von Rauschgift hinter Gittern gelandet. Die weitaus meisten Inhaftierten wurden Opfer gerissener Rauschgifthändler.

Für diese sind die oft arglosen Urlauber die geradezu idealen Kuriere, um die heiße Ware außer Landes zu bringen. Die Palette der dabei angewandten Tricks ist breit: Häufig wird das Rauschgift im Hotel, auf dem Flughafen oder während einer langen Bahnfahrt in das Gepäck der Urlauber hineingeschmuggelt. Am Zielbahnhof oder -flughafen werden die oft besonders gekennzeichneten Koffer oder Taschen dann gestohlen.

Noch häufiger versuchen Rauschgifthändler, ihre Ware in Touristenautos über die Grenzen zu schmuggeln. Um diese entsprechend zu präparieren, bieten sie beziehungsweise ihre Helfer Urlaubern vermeintlich günstige Gelegenheiten zum Ölwechsel, Tanken oder zu einer Reparatur an. Bei solchen Offerten sollten Reisende deshalb besonders auf der Hut sein. Vorsicht ist auch dann ratsam, wenn Urlauber im Hotel oder am Flughafen gebeten werden, aus Gefälligkeit oder gegen Barzahlung Päckchen oder sonstige kleinere Gepäckstücke mitzunehmen – auch in ihnen befindet sich nicht selten Rauschgift.

Selbst wenn sie ohne ihr Wissen zu kriminellen Zwecken mißbraucht werden, müssen Urlauber mit Rauschgift im Gepäck oder Wagen im Falle einer Entdeckung mit drakonischen Strafen rechnen. Sollten sie ihre Unschuld nicht zweifelsfrei nachweisen können – was längst nicht in allen Fällen gelingt –, drohen ihnen überall auf der Welt zumindest langjährige Haftstrafen. In einigen Ländern wie etwa in Singapur, Thailand, Indonesien, Malaysia und Saudi-Arabien wird gegen Rauschgifthändler mitunter sogar die Todesstrafe verhängt – und selbst dann vollstreckt, wenn es sich dabei um ausländische Urlauber handelt.

Um angesichts dieser drohenden Strafen wenigstens alle juristischen Verteidigungsmöglichkeiten auszuschöpfen, sollten sich Urlauber, die im Ausland wegen Rauschgiftdelikten in Konflikt mit Polizei und Justiz geraten, sofort mit der jeweiligen deutschen Botschaft oder dem nächstgelegenen Konsulat in Verbindung setzen. Diese können deutschsprachige Rechtsanwälte vermitteln und auch die Haftbedingungen in den Gefängnissen überprüfen. Auf die Rechtsprechung der Gerichte haben sie allerdings keinen Einfluß. Marco Finetti