Die Unsicherheit unter den Börsianern hält an. Im ersten Halbjahr ist der Deutsche Aktienindex (Dax) um etwas mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Angesichts des Dax-Anstiegs um 46 Prozent im Jahre 1993 ist ein solcher Rückschlag allerdings zu verkraften, zumal – bis auf Tokio – auch die anderen wichtigen Börsenplätze der Welt an Boden verloren haben. Was die Anleger indessen ärgert, sind die durchweg optimistischen Prognosen der Banken vom Jahresanfang, von denen viele auch heute noch nicht Abschied nehmen wollen.

Unter Börsenpraktikern hat sich dagegen die Meinung verfestigt, daß der Dax, der sich in letzter Zeit immerhin deutlich über 2000 behaupten konnte, noch einmal einen Rückschlag um bis zu hundert Punkte erleiden könnte. Die gleichen Börsianer, die deshalb bei den Aktien zur Zurückhaltung mahnen, sind auch hinsichtlich der Zinsentwicklung skeptisch. Zinssenkende Maßnahmen der Bundesbank könnten ohne Wirkung bleiben, so wird befürchtet, weil die Nachfrage nach Geld wächst. Der Kapitalbedarf der öffentlichen Hand werde hoch bleiben, und bei einer lebhafter werdenden Konjunktur werde der Kreditbedarf der Wirtschaft zunehmen, was die Banken zwingen wird, ihre Wertpapierbestände zu verringern. Und wer soll in die Bresche springen? Die Ausländer verringern bereits seit Monaten ihre deutschen Rentenbestände, und auch die privaten Anleger, die über rund 460 Milliarden Mark anlagefähiger Mittel verfügen, fühlen sich trotz der gesunkenen Zinsen mit Termineinlagen immer noch recht wohl. Sie verweisen darauf, daß sich festverzinsliche Anlagen auf die Dauer erst ab Renditen von mindestens 7,5 Prozent lohnen.

Unter solchen Umständen kann Daimler-Benz von Glück sagen, seine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Mark über die Bühne gebracht zu haben, ohne daß der Kurs der Aktie darunter gelitten hat. Freilich muß dabei berücksichtigt werden, daß die Aktie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um knapp fünfzehn Prozent gefallen ist, während die BMW-Aktie in der gleichen Zeit um mehr als vierzehn Prozent zulegen konnte. Noch schlimmer als Daimler hat es die Bankaktien getroffen. Schuld daran sind in der Hauptsache die Sanierungs- und Insolvenzfälle, die Millarden an Wertberichtigungen und zusätzlichen Mitteln erfordern. Gleichwohl setzt sich die Meinung durch, daß Bankaktien, besonders die der Deutschen Bank, zu stark nach unten korrigiert worden sind. K.W.