Triathlon kann "süchtig" machen. Nicht wie bei einer Droge unbewußt, unmerklich, sondern als kalkuliertes Risiko. Die gewollte Gewöhnung an die extremen Belastungen führt zu einer später notwendigen Entwöhnung, geistig und körperlich. "Die Ultralangstrecken sind für mich eine Sucht, aber eine positive", unterstreicht Stefan Schlett. "Die tagelangen Strapazen sind mein ‚Laster‘. Aber besser, als dem Alkohol oder Nikotin verfallen zu sein."

Aufhören, in Monats- oder gar Tagesfrist, ist jedoch auch für den Ultrakörper unmöglich. Nach wenigen Tagen erzwungener Untätigkeit im Wasser, auf dem Bike oder in den Schuhen "juckt es wieder". Ohne Training, ohne das Alleinsein, fällt der Triathlet in ein tiefes, nicht nur psychisches Loch.

Der Drang auf Puls 150. Es kribbelt in Armen und Beinen. Der unterbelastete Kreislauf meldet sich, will mehr, will auf Trab gebracht werden wie ein Rennmotor, der im Stadtverkehr gehörig zu stottern beginnt. "Wirklich elend fühle ich mich nur in den Trainingspausen, total schlapp und müde vom Nichtstun", berichtet Iron-Man Dittrich.

"Mit Raubbau am eigenen Körper haben unsere Leistungen nichts zu tun", versichert Astrid Benöhr, stellvertretend für alle Ultratriathleten – vorausgesetzt, man bereite sich langfristig vor und überschätze die individuellen Fähigkeiten nicht. Doch wer schützt den einzelnen vor dem Rausch der Distanz, dem Verlust an Selbstkritik?

Die Athleten sehen die ganze Sache lange nicht so dramatisch. Ultratriathleten, so Astrid Benöhr, seien so gut trainiert, "daß wir uns nicht einmal voll verausgaben müssen". Stefan Schlett quittiert jeden Einwand mit einer eindeutigen Diagnose: "Ich fühle mich kerngesund."

Tatsache ist: Beim letzten Triple-Man in Lensahn verlebte der medizinische Dienst drei ruhige Tage. Nur kurz vor Ende der Veranstaltung mußte ein Notfall versorgt werden: Eine Helferin war zusammengebrochen. Ihr Kreislauf hatte schlappgemacht.