Ja gut. Mit Amerika ist es sicher nicht so wie im Winter. Wir sagen nur Georg Hackl. In Norwegen gab es einen Mann, der die erste Halbzeit der Olympischen Spiele dazu nutzte, um einen Schlitten zu nehmen und in die deutschen Herzen zu rodeln. Aber Amerika, erste Halbzeit der WM? Kein Hackl, keine Männer, kein gar nichts. Oder doch?

Vergangener Samstag, 20.49 Uhr. Überall in Deutschlands Gärten sehen sich Fußballfreunde glücklich provoziert. Belgien am Boden. Jetzt aber schnell zum Grill und ein Würstchen nachgelegt – wie wunderbar leicht geht dies jetzt von der Hand. Mein Gott, Berti. Berti?

Darf ein Bundestrainer überhaupt Berti heißen? Hans-Hubert Vogts! Wenn schon nicht so, dann doch wohl wenigstens Bertold? Von allen Fragen der letzten vierzehn Tage warfen diese wohl den längsten Schatten. Würde der Trainer unter Umständen Möller bringen? Oder Völler? Oder am Ende dem Bremer Basler sagen, daß er ihn nun bringen wolle? Für den, der die Lust dazu hatte, mochte es ganz interessant sein, auch solchen Aspekten nachzuhängen. Doch wer tiefer lotete und eher ganzheitlich dachte, fragte längst: Wie lange will sich Berti eigentlich selbst noch bringen?

„Ja gut“, diese Hitze im Stadion. Vor jedem neuen Spiel wurde entlastend auf sie hingewiesen. Auch Fernsehkommentator Karl-Heinz Rummenigge sprach es wiederholt an. „Ja gut.“ Diese äußeren Bedingungen. Heiß und sehr feucht. Immer brannte die Sonne, und es war zu heiß und zu feucht. Und dann erschienen sie wieder und betraten den Platz. Lothar Matthäus voran und die anderen vertrauten Gesichter dahinter. War eigentlich ein Arzt in der Nähe?

Man kann es nicht anders sagen, auch Prof. Kindermann, der Mannschaftsmediziner, mußte sich einige Fragen gefallen lassen. Aber war dies denn so abwegig? Bringt er überhaupt genug mit? Kindermann, ein Mann der Leichtathletik. Groß geworden unter seinesgleichen, unter den Sprintern und den Hürdenläufern. Hat er überhaupt eine Ahnung von dem, was einen Fußballer neunzig Minuten lang im Innersten zusammenhält? Wie es ihm möglich wird, den Ball nach vorne zu treiben, auch wenn es heiß ist und feucht. Ihn so wie ein Brasilianer oder Nigerianer in die Gefahrenzone zu heben, auch wenn die Sonne brennt und es – „ja gut“ – zu heiß ist und zu feucht?

Fritz-Walter-Wetter in Chicago. Als Deutschland gegen Belgien spielte, regnete es. Siebzehn Grad. In Hamburg war es heiß und feucht. Bevor in Amerika die dunklen Wolken kamen, hatte der Bremer Basler eingestanden, daß er sich von Berti Vogts „etwas mehr Nähe“ erwartet habe. „Sonst mache man sich so seine Gedanken“, immerhin doch sei seine Frau hochschwanger. Man hatte es schon nicht mehr für möglich gehalten. Ein paar ganz persönliche Worte. Beinharte Profis, die plötzlich weich werden, ganz weich.

Nun, als der Schiedsrichter das Spiel anpfiff, saß der Bremer Basler wieder auf der Bank. Vogts brachte Völler, der nach wenigen Minuten schon, wie es seine Art ist, einen Finger in den Himmel strecken konnte. Der Rest ist ebenso bekannt wie die Wahrscheinlichkeit, daß Deutschland (Turniermannschaft!) nun Weltmeister wird. Oder Brasilien. Oder Nigeria.