Machen Sie Urlaub, von dem Sie sich nicht erholen müssen! Also, Deutsche Bahn AG, das ist ja ein ehrenwerter, aber von Anfang an zum Scheitern verurteilter Überredungsversuch zu einer angeblich entspannenden Form des Verreisens. Denn alle deine Nichtkunden – das dürften schlappe neunzig Prozent aller reisefähigen Deutschen sein –, werden wegen des flotten Slogans beileibe nicht den Fuß vom Gaspedal nehmen.

Denn, neue Bahn, laß es dir gesagt sein: Wie wir uns erholen, entscheiden wir immer noch selbst. Gibt es denn etwas Langweiligeres, als schon heute genau zu wissen, daß wir auf reservierten Fensterplätzen, Großraum, Nichtraucher, übermorgen in zwei Wochen um 18.44 Uhr in Rimini einrollen werden?

Wie wir dich kennen, Bahn, wirst du deinen Zug in alter beamtlicher Kleinkariertheit auch auf die Minute genau ankommen lassen. Gibt es denn etwas Alltäglicheres als einen pünktlich ankommenden Zug? Wir stellen uns unter Urlaub nämlich etwas anderes vor!

Wir wollen in den Ferien raus aus dem planmäßigen Trott, rauf auf die Autobahn. Wollen unsere Reaktion testen, wenn das Stauende in einer Kurve liegt, und geschickt Gassen bilden für die Notarztwagen, Polizeiautos und Fernsehteams. Wollen das Aroma einer meilenweiten Autoschlange einatmen.

Bei den offenen bayerischen Federball-Meisterschaften am Autobahnkreuz Brunnthal werden wir diesmal hoffentlich nicht so früh ausscheiden wie im Vorjahr. Falls Sie mitspielen wollen: Das Turnier findet am dritten Samstag im Juli auf der Standspur Richtung Süden statt. Netze und Schläger werden wie immer von den sehr zuvorkommenden ADAC-Stauberatern zur Verfügung gestellt.

Das ganze Jahr freuen wir uns schon auf das Volksfest auf der A 9. Dieses Jahr, meint der ADAC, würde die große Stehparty nicht erst hinter Nürnberg, sondern vielleicht schon in Würzburg anfangen. Für den nördlichen Abschnitt ist als sportlicher Wettbewerb Boccia geplant. Und wenn es warm wird wie letztes Jahr, wollen wir Würstchen auf dem Kühlergrill zubereiten.

Natürlich verlangt die Anreise dorthin etwas Fingerspitzengefühl. Auf das Timing kommt es an, sage ich immer. Unseren Nachbarn ist letztes Jahr folgendes passiert: Fahren die doch zwei Stunden zu früh in Hamburg los und kommen schon zehn Stunden später ohne einen einzigen Stau am Brenner an. So ein Reinfall!