Mit Donnerschlägen begann die Tarifrunde dieses Jahres, einigermaßen trist ist sie nun zu Ende gegangen. Erst kündigten, im Herbst, die Metallarbeitgeber die Urlaubsabkommen, dann folgten die spektakuläre Einigung auf die Vier-Tage-Woche bei VW sowie innovative Tarifwerke für Chemie- und Metallindustrie. Mit mageren Abschlüssen machten die Gewerkschaften deutlich, daß an ihnen der Aufschwung nicht scheitern soll. Nun fand auch der Konflikt in der Druckindustrie ein spätes Ende. Dürftiges Ergebnis von siebenmonatigen Verhandlungen und siebzehn Wochen Arbeitskampf: Die Beschäftigten bekommen ziemlich genau soviel wie alle anderen auch, nämlich, nach einigen Leermonaten, zwei Prozent mehr Geld. Der Rest, vor allem die schwierigen Verhandlungen über einen neuen Manteltarifvertrag, wurde auf später vertagt.

Der Abschluß ist ebenso vernünftig, wie sein Zustandekommen ärgerlich ist. Denn daß sie nur einen Weg aus der Sackgasse finden würden, wenn sie die Lohnverhandlungen von so sperrigen Themen wie Tarifrente und mehr Mitbestimmung entkoppeln würden, haben alle Beteiligten von Anfang an gewußt. Streit gab es nur um die Dauer der Friedenspflicht für neue Verhandlungen, das illusorische Verlangen der Arbeitgeber, mittels eines Arbeitszeitkorridors die 35-Stunden-Woche zu kippen, und die ohnehin nicht ernstgemeinte Forderung, den Samstag als Regelsarbeitstag wiedereinzuführen. Darüber gingen 1350 Warnstreiks ins Land. Man glaubt es nicht.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Da sie notgedrungen schon einmal beieinandersaßen, haben die Kontrahenten wenigstens die Lohnerhöhung für das kommende Jahr gleich mit vereinbart. Die Leser können sich deshalb bis auf weiteres auf komplette Zeitungen verlassen und die Redakteure darauf, daß ihre Einlassungen auch gedruckt werden. Das ist schön. ad