Was tun, wenn ein Volk sich überfrißt? Seit langem schon quält Horst Seehofer die Frage, wie er seine Landsleute zu einem gesünderen Lebenswandel bewegen kann. Ursprünglich wollte der Bundesgesundheitsminister unbelehrbare Sünder mit höheren Krankenkassenbeiträgen bestrafen: mit einem Malus für Raucher, Trinker und Dicke. Doch inzwischen hat er selbst gemerkt, daß dies eine dumme Idee war. Ihm ist etwas viel Besseres eingefallen: ein Bonus für alle Nichtraucher, Nichttrinker und Nichtübergewichtige. Wem der Arzt gesundes Verhalten attestiert, der wird belohnt.

Grundsätzlich hat der Mann ja recht. Der deutsche Bauch, einst ein Symbol des Wohlstands, ist zu einem negativen Standortfaktor geworden. Warum sollen alle Krankenversicherten dafür büßen, daß ein Teil von ihnen nicht nein sagen kann, zu Schweinshaxen und Sahnetorten, zu Zigaretten und Doppelkorn? Wer sich ungezügelt seiner Freßlust hingibt, völlt auf Volkes Kosten.

Aber ein Bonus wird daran genauso wenig ändern wie ein Malus. Wer die Versicherten in Gute und Böse aufteilt, schafft nur neue Ungerechtigkeiten. Etwa wenn der skilaufende Porschefahrer einen Bonus erhält. Oder der nichtrauchende Sonnenanbeter mit programmiertem Hautkrebs. Nötig wäre vielmehr, die Gesundheitssünder beim schwierigen Verzicht auf alte Gewohnheiten zu unterstützen. Dazu gehören auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, wie Seehofer sie fordert. Aber die Ergebnisse dürfen nicht an die Kassen weitergeleitet werden, damit diese den Beitragssatz rauf- oder runtersetzen. Sie müßten vielmehr Basis einer intensiven Beratung der Patienten sein.

Ob sich so die Kosten senken lassen, ist zwar nicht sicher. Vorbeugende Medizin kommt nicht unbedingt billiger. Aber sie ist humaner und dient der allgemeinen Gesundheit. Und das sollte dem Gesundheitsminister doch eigentlich am wichtigsten sein. per