Sind die französischen Topmanager eine Bande von Gaunern? Diese Frage stellt sich derzeit unwillkürlich: Nachdem kürzlich Didier Pineau-Valencienne, Präsident des Elektrokonzerns Schneider, für zwei Wochen in Belgien in Untersuchungshaft saß, wurde am Montag Pierre Suard, Chef des Telekomriesen Alcatel Alsthom, zwölf Stunden lang vom Untersuchungsrichter verhört.

Der Vorwurf gegen Suard erinnert stark an jenen, für den Helmut Lohr, ehemaliger Chef der Stuttgarter Alcatel-Tochter SEL, Ende der achtziger Jahre hinter Gitter kam: Lohr hat damals unter anderem sein Ferienhaus auf Mallorca mit SEL-Geldern umgebaut. Suard wird jetzt vorgeworfen, seine Pariser Privatwohnungen auf Alcatel-Kosten mit teuren Alarmanlagen ausgerüstet zu haben.

Außerdem wird Alcatel und damit indirekt Suard vorgeworfen, den Fernmeldemonopolisten France Telecom systematisch betrogen zu haben: Mit Hilfe einer gefälschten Buchhaltung soll das Tochterunternehmen Alcatel-CIT ihrem größten Kunden über Jahren hinweg überhöhte Rechnungen geschrieben haben. Geschätzter Schaden: dreißig Millionen Mark.

Sollten die Anschuldigungen zutreffen, dann dürfte der Ruf der französischen patrons erst mal ruiniert sein: Der Alcatel-Konzern, der neben Fernmeldeprodukten auch Hochgeschwindigkeitszüge und Atomkraftwerke herstellt, ist mit rund 200 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast 46 Milliarden Mark das größte Privatunternehmen Frankreichs.

Suard reagiert denn auch äußerst empfindlich auf die „Verleumdungskampagne“: Die Alarmanlage habe er auf Anraten der Regierung installiert, nachdem der Renault-Chef Georges Besse 1986 von Terroristen erschossen worden war. Klar, daß sein Unternehmen dafür zahlen müsse. Und die überhöhten Rechnungen seien eine isolierte Tat von korrupten Managern.

Wie harsch der Alcatel-Chef bei seiner Verteidigung reagiert, mußte auch die französische Presse erfahren. Kürzlich annullierte er eine teure Anzeigenkampagne in Le Monde, weil das Blatt es gewagt hatte, offen über seine Justizprobleme zu schreiben. Vielleicht streicht er jetzt auch noch die Millionenspenden für die Regierungsparteien – da sie die Untersuchungsrichter nicht im Zaum halten.

Für das Geschäft mit dem privaten Abonnentenfernsehen (Pay-TV) hat der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch einen neuen Verbündeten gefunden. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Unternehmer Johannes Rupert kaufte er jetzt für 180 Millionen Dollar eine Beteiligung von 25 Prozent an der einst von Silvio Berlusconi gegründeten Telepiü in Mailand. An der einzigen italienischen Pay-TV-Kette war Kirch bereits mit 34,2 Prozent als größter Aktionär beteiligt. Er stockte beharrlich seinen Anteil auf, nachdem Silvio Berlusconi die Mehrheit verkaufen mußte, denn das italienische Mediengesetz verbietet mehr als drei Fernsehsender in einer privaten Hand. Berlusconis Holding Fininvest besitzt aber bereits drei Sender und hat deshalb ihren Anteil an Telepiü schon seit längerem auf zehn Prozent reduziert.