Über Deutschlands Stränden weht auch in diesem Sommer keine „blaue Europaflagge“. Doch auch im Ausland bietet die Fahne nicht unbedingt Gewähr für sauberes Wasser und ein umweltfreundliches Urlaubsumfeld.

Die blaue Europaflagge wird seit 1987 alljährlich Stränden und Sportboothäfen verliehen, die bestimmten Anforderungen bei der Badewasserqualität, den Sicherheitseinrichtungen, Umweltinformationen und dem Umweltmanagement genügen.

Doch von den rund 16 000 Gemeinden mit Stränden in Europa bewarb sich in diesem Jahr nur ein Zehntel um die von der Stiftung für Umwelterziehung in Europa vergebene Flagge. Nicht einmal zehn Prozent von ihnen fielen durch.

Wie schon 1993 weht auch in diesem Jahr an keinem deutschen Strand die blaue Flagge. Fremdenverkehrsorganisationen hatten dem deutschen Träger der Flaggenkampagne, der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU), vorgeworfen, daß in den teilnehmenden Staaten mit unterschiedlicher Elle gemessen werde. Sie halten die Aktion in ihrer jetzigen Form für einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) hält die blaue Flagge sogar für überflüssig. „Das bringt eigentlich nichts“, kritisiert der Kieler BUND-Wissenschaftler Michael Teucher. Die geforderten Standards seien viel zu niedrig und erlaubten keine Aussage, an welchen Stränden erstens unbedenklich gebadet und zweitens von einem glaubwürdigen Engagement für die Umwelt gesprochen werden könne.

In zehn europäischen Ländern wird die Kampagne trotz geringer Akzeptanz weiter durchgeführt. Die meisten blauen Flaggen wehen in Spanien (306), Frankreich (302), Griechenland (287) und Italien (228). DGU-Gründer Günter Eulefeld muß jedoch eingestehen: „Wir können nicht die Hand dafür ins Feuer legen, daß ein spanischer Strand mit blauer Flagge hundertprozentig in Ordnung ist.“ Seine Organisation bemüht sich, daß mit Hilfe der Europäischen Kommission in Brüssel bis 1996 einheitliche Kriterien aufgestellt werden und danach auch deutsche Urlaubsgebiete wieder zur Bewerbung bewegt werden können.

Allerdings kann ein für ein Jahr zugeteiltes Prädikat keine Gewähr bieten, daß die Wassergüte an einem Badestrand die gesamte Saison hindurch einwandfrei ist. Zudem verweist der BUND darauf, daß das Kriterium Badewasserqualität ein minimaler Standard ist. „Da wird deutlich weniger verlangt als bei der Trinkwasserqualität oder gar ökologischer Wasserqualität“, sagt Teucher.